Meinungsforscher rechnen mit steigender Zahl der Wahlverweigerer
Die Angst vor dem Nichtwähler

Während Union und SPD ihre ersten Slogans und Plakate für den Wahlkampf präsentieren, formiert sich im Internet eine Gruppe, die alle Parteien gleichermaßen fürchten: die Nichtwähler. In regen Online-Debatten wettern die überzeugten Stimmverweigerer gegen die Volksvertreter. Meinungsforscher rechnen damit, dass die Boykott-Aufrufe noch erfolgreicher sein könnten als bei den vergangenen Wahlen.

co DÜSSELDORF. Gründe für die Wahlverweigerung gibt es viele: "Ich gehe nicht hin, weil mich jede Partei ausnimmt wie eine Weihnachtsgans", schreibt ein Teilnehmer des Forums, der lieber anonym bleibt. Ein anderer bemängelt: "Die gemachten Versprechungen vor der Wahl werden mit Argumenten wie ?Vorher nicht gewusst? oder ?Alles hat sich anders entwickelt? sowieso zurückgenommen." Wieder andere sprechen von "Schein-Demokratie" oder verweigern sich, da sie nicht länger mit ansehen wollen, wie die deutschen Steuerzahler "von einigen Politikern und Ackermännern" ausgesaugt werden.

Unter www.ich-gehe-nicht-hin.de erklären immer mehr Bundesbürger, warum sie im Herbst keine der antretenden Parteien unterstützen wollen. Das Potenzial ist riesig: Schon vor drei Jahren hatten knapp 13 Millionen Deutsche der Bundestagswahl die kalte Schulter gezeigt. 1998 waren es noch drei Millionen Stimmverweigerer weniger.

Die Initiatoren, die den Nichtwählern eine Stimme geben, kommen vom überparteilichen Netzwerk politik-digital.de - einer Berliner Organisation, die bereits 2001 den "Online Award" des renommierten Adolf Grimme Instituts erhalten hatte. Der Geschäftsführer des Netzwerks, Christoph Dowe, beklagt: "In der Regel sind Nichtwähler ein Fall für Demoskopen nach der Wahl - und dann wird die Sache abgehakt." Es sei aber wichtig, diese Menschen und ihre Ansichten ernst zu nehmen.

Schon knapp eine Woche nach dem Start der Website wurden weit mehr als 3000 Statements abgegeben. "Es scheint ein starkes Bedürfnis zu bestehen, seinem Nichtwählen eine Stimme zu geben", sagt Dowe, der den Erfolg seiner Seite mit gemischten Gefühlen sieht. "Für die Demokratie ist das erschreckend."

Viele der Teilnehmer am Nichtwähler-Forum sind erstmals von der neuen Realität staatlicher Sozialpolitik betroffen. Meinungsforscher rechnen damit, dass die Zahl der Stimmverweigerer dieses Mal ein noch höheres Niveau erreichen könnte als bei den vergangenen Bundestagswahlen.

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