Menschen bei Maischberger
Antifa-Til im deutschen Talkshow-Brei

„Verfassung ändern“, „USA sind für den Scheiß verantwortlich“, Banken- statt Flüchtlingsrettung. Til Schweiger galoppierte bei „Menschen bei Maischberger” durch das linke Argumentationsspektrum. Niemand ging darauf ein.
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„Sie gehen mir auf den Sack, echt!” raunzte Schauspieler Til Schweiger den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer an. Der Politiker hatte zuvor Schweigers Vorschlag, den Soli für Flüchtlingshilfe zu nutzen, als „albern” bezeichnet. Später entschuldigte sich Schweiger dafür („Tschuldigung”). Der Ausfall geschah am Ende seiner langen Ausführungen zur Flüchtlingspolitik in der Sendung „Menschen bei Maischberger”. In ihrer Radikalität erreichten diese wohl selten ein so großes Fernsehpublikum: Es war eine Mischung aus antifaschistischer und antikapitalistischer Rhetorik im Schweiger-Slang.

So knöpfte sich der Filmstar zuerst die rechtsradikalen Demonstranten in Freital vor, die gegenüber eines Asylbewerberheims „Weg mit dem Dreck” skandiert hatten. „Es ist nicht tolerierbar, dass so ein Mob da steht, während da Menschen sind, die vor Krieg und Elend geflohen sind”, sagt Schweiger. Gegen diesen „Mob“ müsse die Politik vorgehen: „Es würde reichen, wenn die Politiker einfach zwei Hundertschaften da hinschicken, die Leute einkassieren und sagen ‘Heute Nacht bleibt Ihr mal im Knast und denkt mal ein bisschen drüber nach, was Ihr hier macht und morgen kommt Ihr nicht mehr hier her’.”

Der Schauspieler könne nicht verstehen, dass das nicht möglich sei. „Da kommt man immer mit Versammlungsrecht. Da muss man irgendwie die Verfassung ändern. Die Verfassung kann doch nicht die Leute beschützen, die nichts anderes vorhaben, als die Verfassung abzuschaffen und zu bekämpfen.”

Schweiger trägt damit Argumente in eine deutsche Talkshow, die oft nur in Kreisen der Antifa zu hören sind, also in linksradikalen und autonomen Gruppen, die als Feindbild den Faschismus auserkoren haben. Deren Mitglieder blockieren häufiger Nazi-Aufmärsche und versuchen Demonstrationen rechter Gruppierungen aufzuhalten, teilweise mit Gewalt. Eine Beschneidung der Versammlungsfreiheit für rechtsradikale Gruppen würden Teile der Antifa-Bewegung sicherlich bejahen.

Genauso ist in Antifa-Kreisen harsche Kritik an der Außenpolitik der Vereinigten Staaten verbreitet. So wie auch bei Schweiger. Mit Hinblick auf die Flüchtenden aus dem Nahen Osten sagt er: „Die Amerikaner, unsere Hauptverbündeten, sind für den Scheiß verantwortlich, weil sie unter ‘ner Lüge in den Irak reingegangen sind, um konsequent ihre wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen.”

Die USA hätten zudem die Terrormiliz IS „rummachen lassen”. US-Präsident Barack Obama habe die Terrormiliz “Islamischer Staat” unterschätzt, welche mittlerweile große Teile Iraks und Syriens kontrolliert. Obama habe sie als „Milchbubis” abgetan und nichts gegen sie unternommen.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Das kommt raus, wenn ein Schauspieler ohne vorbereiteten Text drauflos quatscht. Oder war das stand-up comedy?.

  • Na ja: mit geschätzten 40 Mio Privatvermögen ist es doch so:
    Selbst wenn Herr Schweiger 1 oder 2 Mio springen lässt,tut das seinem
    persönlichen Lebensstil keinen Abbruch.
    Auch wird er kaum damit rechnen müssen,in unmittelbarer Nachbarschaft
    zu seinem Haus eine Flüchtlingsunterkunft entsteht.
    Mich würde halt mal interessieren,wie er (und so mancher Politiker) reagieren
    würde,wenn ihm dasselbe zugemutet würde wie dem "gemeinen Volk".
    Welches bald mit Steuerhöhungen für das ganze Elend zahlen darf.

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