Minister meiden Zapfenstreich
Für Wulffs Abschiedsparty hagelt es Absagen

Ex-Bundespräsident Christian Wulff wird heute mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Weit über 100 geladene Gäste haben allerdings schon abgesagt, darunter etliche Minister.

BerlinEs wird kein leichter Gang für Christian Wulff am heutigen Tag. Begleitet von anhaltender Kritik wird der zurückgetretene Bundespräsident heute mit einem Großen Zapfenstreich von der Bundeswehr verabschiedet. An der Zeremonie im Park von Schloss Bellevue (ab 18.40 Uhr) sollen rund 300 Soldaten der drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr teilnehmen. Außerdem waren ursprünglich noch 369 Gäste geladen. Doch bis gestern Abend ist die Liste ziemlich geschrumpft.

Die Opposition hatte Wulff aufgefordert, wegen der Umstände seines Rücktritts auf die Zeremonie zu verzichten. Wulff war im vergangenen Monat zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme aufgenommen hatte.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung gab es bereits über 160 Absagen. Nicht nur Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle wird demnach dem Event fernbleiben. Auch sämtliche Bundestagsvizepräsidenten: Wolfgang Thierse (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Petra Pau (Linke) und Eduard Oswald (CSU).

Zugesagt für den Event haben neben Kanzlerin Angela Merkel auch Vizekanzler Philipp Rösler (FDP). Das Kabinett wird allerdings nicht vollständig vertreten sein. Abgesagt haben: Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Selbst aus dem Kanzleramt fing sich Wulff Neins ein: So wird Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) genauso wenig erscheinen wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Die Teilnahme von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) steht noch nicht fest.

Nach Angaben des Bundespräsidialamtes wurden die Partei- und Fraktionschefs im Bundestag nicht eingeladen - wohl aber die Spitzen der Verfassungsorgane und das Bundestagpräsidium, allen voran Bundestagpräsident Norbert Lammert (CDU). Damit seien auch Vertreter aller im Bundestag vertretenen Fraktionen dabei. Schon früher war bekanntgeworden, dass Wulffs Vorgänger Walter Scheel, Roman Herzog, Richard von Weizsäcker und Horst Köhler beim Zapfenstreich für Wulff nicht anwesend sein werden. Auch Wulffs Nachfolger Joachim Gauck wird fehlen.

Petitesse am Rande. Zu Hause bei Merkel scheint der Fall Wulff auch ein Thema gewesen zu sein. Denn der Ehemann war auch ins Schloss Bellevue eingeladen. Doch Joachim Sauer hat ebenfalls abgesagt – vermutlich aus terminlichen Gründen, wie es dann oft heißt. 

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
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