Ministerpräsidenten
Wulff gibt sich als generöser Sieger

Niedersachsens Ministerpräsident schlägt nach dem Rücktritt Wiedekings versöhnliche Töne an, um seinen Amtskollegen Günther Oettinger nicht vollends zu verprellen. Es liegt ohnehin auf der Hand, wer der Sieger und wer der Verlierer ist.

BERLIN. Politisch gesehen sind Günther Oettinger und Christian Wulff Freunde. Doch davon war in den vergangenen Wochen wegen des Hickhacks zwischen Volkswagen und Porsche wenig zu merken. Um die entstandenen Gräben zumindest teilweise wieder zuzuschütten, schlug Wulff nach dem Aus für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gestern versöhnliche Töne an. „Porsche wird selbstverständlich autonom mit Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen bleiben wie Audi in Ingolstadt“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident. „Die Porsche-Standorte sind sicherer als zuvor“, versicherte der CDU-Politiker. Gleichzeitig rief er alle Beteiligten dazu auf jetzt „nach vorne zu schauen“.

Die Botschaft dürfte Parteifreund Oettinger zwar freuen, sie lindert aber nur unwesentlich seinen Schmerz darüber, dass die Geschicke der industriellen Perle Baden-Württembergs wohl künftig zumindest in Teilen von Wolfsburg aus bestimmt werden dürften.

Oettinger und Wulff – zusammen waren sie in der Jungen Union, zusammen gehören sie zum Andenpakt, jenem legendären, nun aber längst von Kanzlerin Angela Merkel kaltgestellten Männerbund junger CDU-Politiker, der einst auf einer Südamerikareise geschlossen worden war. Beider Namen wurden vor der Wirtschaftskrise oft genannt, wenn von Ordnungspolitikern in der Union die Rede war. Auch den Schwenk zu Vertretern landesväterlicher Standortpolitik vollführten sie gleichzeitig. Doch für beide stand in der Übernahmeschlacht von Anfang an zu viel auf dem Spiel. Nicht nur um das Prestige geht es, das mit dem Sitz von weltweit bekannten Unternehmen für das jeweilige Bundesland einhergeht. Auch Geld spielt eine Rolle, viel Geld: Etwa 600 Mio. Euro Steuern soll Porsche an Baden Württemberg Jahr für Jahr zahlen.

Natürlich haben daher beide Politiker Porsche und VW zur Chefsache gemacht. Wer mit ihnen spricht, merkt, dass sie über die Unternehmen genauso gut informiert sind wie die Manager in der Chefetage. Dennoch kämpften die Regierungschefs ein ungleiches Duell, noch dazu mit unterschiedlichen Waffen. Da ist zunächst die Größe der Unternehmen, für die sie streiten. 170 000 Mitarbeiter hat VW in Deutschland, 12 000 sind es bei Porsche – klar, auf wen die Bundespolitik da stärker blickt.

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