Müntefering-Nachfolge
Selbst die Union feiert Platzeck

Der Druck auf Matthias Platzeck ist groß: Er soll die SPD als neuer Parteichef aus der Schockstarre befreien und das Projekt große Koalition mit zu Ende führen. Die Union jedenfalls scheint erleichtert. Mit Platzeck - so heißt es - sei kein Linksruck mehr bei den Sozialdemokraten zu befürchten.

HB BERLIN. Ein neuer SPD-Parteichef Matthias Platzeck dürfte nach Auffassung führender Unionspolitiker eine große Koalition von Union und Sozialdemokraten stabilisieren. Der Regierungschef von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), sagte dem Deutschlandradio Kultur, Platzeck sei gut für die große Koalition und könnte in dieser eine stabilisierende Rolle spielen.

Böhmers Thüringer Kollege Dieter Althaus (CDU) erklärte im NDR: „Ich gehe davon aus, dass Matthias Platzeck mit seiner Erfahrung als Ministerpräsident von Brandenburg dazu beiträgt, dass auch die SPD in dieser Koalition ein stabiler Partner ist“. Insofern hoffe er auf Kontinuität. Ähnlich äußerte sich auch Jörg Schonbohm. Mit Platzeck sei kein Linksruck in der SPD zu befürchten, sagte Brandenburgs CDU-Chef und Innenminister im RBB.

Auch in der SPD ist die Erleichterug groß. Die Nominierung ist in der Partei flügelübergreifend begrüßt worden. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir die Chance, die in der Krise steckt (...), wirklich nutzen zu einer sichtbaren und tatkräftigen Verjüngung“, sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wolfgang Thierse.

Platzeck betreibe einen „erfrischend anderen Politikstil“, sei offen und könne hervorragend integrieren, sagte die SPD-Vize- Vorsitzende Ute Vogt im NDR. SPD-Vorstandsmitglied Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) ergänzte in der ARD, es sei ein „hervorragender Vorschlag, mit Matthias Platzeck als Parteivorsitzendem auch eine längerfristige Perspektive zu schaffen und dazu beizutragen, dass es einen Generationswechsel an der Spitze gibt“.

Neue Angriffe auf Nahles

Die Parteirechte setzte unterdessen ihre scharfen auf die Sprecherin der Parteilinken Andrea Nahles fort, deren Nominierung zur Generalsekretärin den Rückzug von Franz Müntefering vom Parteivorsitz ausgelöst hatte. Die SPD habe mit der raschen Benennung Platzecks einen richtigen und wichtigen Schritt nach vorn gemacht, sagte der Sprecher des konservativen „Seeheimer Kreises“, Johannes Kahrs.

Am Dienstagabend hatte sich in Berlin eine Runde führender SPD-Politiker auf Platzeck geeinigt, darunter auch der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, der ebenfalls als Anwärter gehandelt worden war. Da rund ein Dutzend SPD-Landeschefs Platzecks Kandidatur nach Becks Angaben unterstützten, gilt seine Bestätigung durch die SPD-Gremien als sicher. Die endgültige Entscheidung trifft der SPD-Parteitag Mitte des Monats in Karlsruhe.

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