Müntefering will keinen Parteiausschlussverfahren
„Lafontaine nicht mehr integrierbar"

Eine unmissverständliche Klarstellung über sein künftiges Verhältnis zu seiner Partei errwartet die SPD-Spitze von Oskar Lafontaine. SPD-Chef Franz Müntefering kündigte ein Ende der Geduldsprobe mit seinem Vorgänger an.

HB BERLIN. Nach dem Aufruf Oskar Lafontaines zum Sturz von Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinen Drohungen mit der Unterstützung einer neuen Linkspartei ist Müntefering offenbar der Gedulfsfaden gerissen. Trotzdem lehnte er ein Ausschlussverfahren aber ab. Lafontaine selbst bekräftigte seine Kritik, ohne jedoch seine Drohungen vom Wochenende zu wiederholen.

Nach seinen als parteischädigend empfundenen Attacken vom Wochenende ist der frühere Parteivorsitzende auch bei der SPD-Linken weitgehend isoliert. Der SPD-Spitzenkandidat bei der saarländischen Landtagswahl im September, Heiko Maas, setzte sich ebenfalls deutlich von seinem prominenten Wahlhelfer ab.

Lafontaine sei in der SPD nicht mehr integrierbar, sagte Müntefering am Montag im WDR. Er habe Lafontaine bislang als jemanden toleriert, der seine Verdienste habe. „Aber er hat jetzt sozusagen die Kampfansage ausgesprochen. Die soll er jetzt haben. Das wird er sehen.“ Müntefering plädierte aber gegen einen SPD-Ausschluss: „Er ist für uns leichter zu handhaben, wenn er innerhalb der Partei ist.“ Mit seinen „intellektuellen Ansprüchen“ habe Lafontaine ohnehin keine Resonanz mehr in der SPD.

In einer Telefonkonferenz des SPD-Präsidiums sagte Müntefering nach dpa-Informationen, Lafontaine habe jetzt „das Spielfeld“ selbst wieder betreten. Die SPD müsse deshalb entsprechend entschlossen reagieren.

Lafontaine sagte in der ARD, die Parteiführung halte stur an einem Kurs fest, den das Volk nicht wolle. „Das Volk kann man aber nicht auflösen.“

Der neu gewählte Bundesvorsitzende der Jungsozialisten (Jusos), Björn Böhning, hat Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine aufgefordert, sich klar zur SPD zu bekennen: "Oskar muss die Hosen runterlassen, ob er für die SPD kämpfen will oder für eine andere Partei", sagte Böhning dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). "Das erwarte ich von ihm, wenn man überhaupt mit ihm wieder in einen Dialog treten will."

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