Nach dem Anschlag in Berlin
Fahnder verfolgen konkrete Spur des Attentäters

Noch verzichtet die Polizei auf eine öffentliche Fahndung nach dem Attentäter von Berlin. Doch sie hat eine sehr konkrete Spur. Im Führerhaus des Lkw sollen die Fahnder ein Dokument mit Personalien gefunden haben.
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BerlinNach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt fahnden Ermittler unter Hochdruck nach dem womöglich bewaffneten Täter und etwaigen Komplizen. Nach Informationen der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“ und des Hessischen Rundfunks sollen im Fußraum des Führerhauses des Lkw eine Duldung mit Personalien gefunden worden sein. Nach Berichten des „Spiegel“ ist das Dokument auf einen 1992 geborenen Tunesier ausgestellt. Ob die Daten zu dem Täter passen ist noch ungeklärt. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger kündigt „aus aktuellem Anlass“ eine Stellungnahme für 15.30 Uhr in Düsseldorf an. Die Papiere des Verdächtigen wurden in NRW ausgestellt.

Am Nachmittag bestätigte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere die europaweite Fahndung nach dem Verdächtigen. Es sei aber keine öffentliche Fahndung. Der Minister äußert sich nicht zur Identität des Verdächtigen.

Auch die Hintergründe des Angriffs und der genaue Tatablauf beschäftigen die Sicherheitsbehörden weiterhin. Der Innenausschuss des Bundestags will gegen Mittag in einer Sondersitzung über den Anschlag beraten. Die meisten Weihnachtsmärkte in der Hauptstadt sollen derweil wieder öffnen. Der Breitscheidplatz, wo am Montag ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gerast war, bleibt jedoch weiter abgeriegelt.

Zwar reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Angriff auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche für sich. Allerdings steht bislang nicht fest, ob wirklich eine so weit verzweigte Organisation hinter dem Anschlag steht oder der Täter auf eigene Faust handelte. Der IS hatte über sein Sprachrohr Amak verbreitet, der Angriff sei eine Reaktion auf Aufrufe gewesen, die Bürger von Staaten der Anti-Terror-Koalition anzugreifen.

Sollte sich bestätigen, dass der IS hinter der Tat steht, wäre es der erste islamistische Anschlag mit einer Vielzahl von Todesopfern in Deutschland. Dabei verhinderte der polnische Lkw-Fahrer, der beim Attentat auf dem Beifahrersitz saß, möglicherweise sogar noch Schlimmeres. Die Obduktion habe ergeben, dass er zum Zeitpunkt des Anschlags noch lebte, berichtete Bild.de. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Auch von Messerstichen ist die Rede. Erschossen worden sei der Mann erst, als der Lkw zum Stehen kam.

Nach dem Attentat fand man den Polen tot im Führerhaus. Nach dpa-Informationen wurde er mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen. Von ihr fehlt bislang jede Spur. Der Mann arbeitete für die Speditionsfirma, der der Sattelschlepper gehört.

Ein zunächst festgenommener Verdächtiger wurde wieder freigelassen, nachdem sich gegen ihn kein dringender Tatverdacht ergeben hatte. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte am Dienstag, es sei möglich, dass der gefährliche Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) versicherte im ZDF, die Ermittler tappten nicht im Dunklen. Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. „Und niemand wird ruhen, bis der Täter oder die Täter gefasst sind“, sagte er in der ARD.

„Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können“, sagte der Vorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner Spezial“. Vieles könne derzeit nicht verraten werden, aber es gebe „gute Hinweise“ und „sehr viele Ansatzpunkte“.

Die Berliner Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Hinweise zu dem Anschlag erhalten. Neben Zeugenaussagen werten die Ermittler Schulz zufolge DNA-Spuren und Fingerabdrücke aus. Mit GPS-Daten vom Tatabend werde nach dem Handy des Täters gesucht. Auf dieser Basis könne ein Bewegungsbild erstellt werden. „Wir haben viele Möglichkeiten, um die Person auch zu finden“, sagte Schulz.

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  • „Der Linken-Politiker Frank Tempel verwies darauf, dass die Geldbörse mit Ausweispapieren bereits am Dienstag im Führerhaus des Lkw entdeckt worden sei. Er verwies aber darauf, dass es sich auch um eine gelegte Spur handeln können, um die Ermittler auf eine falsche Fährte zu führen.“

    Diese Logik ist natürlich zwingend und schließt damit explizit die Möglichkeit ein, ein schon länger hier Lebender (Bio-Deutscher) habe den Anschlag begangen und diese Spur gelegt, um Islamisten in Verruf zu bringen.
    Deshalb ist es zwingend auszuschließen, ein wahrer Islamist habe den Anschlag begangen und seinen Glaubensgenossen als Täter präsentieren wollen.

    Völlig auszuschließen ist, dass der ermordete polnische Fahrer den Täter an der Ausübung seines Mordplans hindern wollte und bei einem Kampf der Täter seine Geldbörse verlor.

  • Keine Grenzkontrollen, 500.000 Einwanderer, deren Identität den deutschen Behörden komplett unbekannt sind und dann folgen Terroranschläge in deutschen Städten: Wer will da eigentlich einen kausalen Zusammenhang noch leugnen? Natürlich sind das Merkels Tote!

    Und ihre willfährige Lügenpresse hat für diese Politik, die nur noch geisteskrank zu nennen ist, publizistisch den Nährboden bereitet. Leider auch das Handelsblatt.

    Ich erwarte, dass Herr von Holtzbrinck, Herr Steingart und ihre feigen Hetzer, allen voran Herr Brüggmann und Herr Neuerer, aus eigenen Mitteln einen Fond für die Opfer und Hinterbliebenen auflegen. Um für das Leid, das am Breitscheitplatz angerichtetet wurde, und an dem diese sog. "Journalisten" ganz direkt eine Mitschuld tragen, wenigstens finanziell einen kleinen Ausgleich zu leisten.

  • "Frau Ina Ingwer21.12.2016, 16:04 Uhr NRW Minister Jäger war nicht in der Lage, den Bajuffen abzuschieben. Der Bajuffe kam im Zuge der Merkelschen Schleusenöffnung. Jetzt sind 12 weitere Unschuldige tot. Wer übernimmt die Verantwortung????"

    Wie können Sie erwarten, dass der SPD-Schlappschwanz Jäger Verantwortung übernimmt, wenn er noch nicht einmal in der Lage ist, ein Pädagogikstudium abzuschließen?

    Die rot-grünen SCHLAPPSCHWÄNZE aus NRW haben es geschafft, dieses Bundesland wirtschaftlich auf die hinteren Plätze zu befördern. Der SPD-Funktionär Jäger (seit 1983 Parteimitglied) gehört zur politischen "Elite" in NRW. Und für Jäger dürfte es schwierig werden, nach vielen Jahren des Herumlümmelns in der Politik wieder außerhalb der Politik Fuß zu fassen. Da soll er Verantwortung übernehmen?

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