Nach dem Maut-Debakel
Analysten: Auswirkungen noch ungewiss

Die finanziellen Auswirkungen auf das Industriekonsortium Toll Collect infolge der Kündigung der Verträge zur Errichtung und zum Betrieb des Lkw-Maut-Systems durch die Bundesregierung sind nach Ansicht von Analysten bislang nur ansatzweise abschätzbar.

HB FRANKFURT. Als maßgeblicher Partner könnte die Deutsche Telekom - neben einer möglichen Schadenersatzklage des Bundes auf entgangene Einnahmen - ihre Investitionskosten nicht erstattet bekommen, sagten Analysten am Dienstag. Während sich die Einnahmeausfälle durch den verzögerten Maut-Start nach Angaben des Verkehrsministeriums auf 6,5 Mrd. € belaufen, beträgt der vor allem aus den bisher getätigten Investitionen bestehende Buchwert von Toll Collect Analysten zufolge rund 700 Mill. €. Auf die Telekom entfallen davon als Konsortialmitglied gemäß ihrem Kapitalanteil 45 %. Weitere 45 % an Toll Collect hält Daimler-Chrysler, die restlichen zehn Prozent der französische Autobahnbetreiber Cofiroute.

Ralf Hallmann, Telekom-Analyst der Bankgesellschaft Berlin, hält das finanzielle Risiko durch die Kündigung der Maut-Verträge noch nicht für absehbar. „Jetzt wird ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Toll Collect und der Regierung um die finanziellen Einzelheiten beginnen“, sagte der Analyst für den Fall voraus, dass die am Dienstag erfolgte Kündigung durch die Regierung in zwei Monaten wirksam wird. Neben der Frage von Schadenersatz für die Maut-Ausfälle werde es vor Gericht um die erbrachten Vorleistungen für Software, Hardware oder die Maut-Erfassungsbrücken auf den Autobahnen gehen.

Die bei der Telekom anfallenden laufenden Ausgaben von Toll Collect schätzen Analysten auf rund 80 Mill. € im vierten Quartal 2003. Für das laufende Jahr werde durch Toll Collect sowohl bei DaimlerChrysler wie bei der Telekom ein Verlust von jeweils rund 200 Mill. € anfallen, sagte Michael Raab, Analyst bei Sal. Oppenheim.

Analyst Hallmann sieht durch das vorläufige Scheitern des Maut-Systems keine Gefahr für das operative Geschäftsergebnis der Telekom. „Das für dieses Jahr prognostizierte Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) in Höhe von 19,2 Mrd. € wird durch Toll Collect nicht gefährdet“, sagte der Analyst. Geschäftsergebnisse von Toll Collect oder Erträge aus einem möglichen Export des Mautsystems haben die meisten Analysten bislang in ihren Prognosen für den größten europäischen Telekom-Konzern nicht berücksichtigt.

Nachhaltigen Schaden für den Aktienkurs der Telekom schlossen die Analysten weitgehend aus. Am Dienstag legten die Telekom-Aktien deutlich stärker als der Gesamtmarkt zu und lagen mit einem Plus von rund drei Prozent auf 16,35 € an der Spitze der Dax-Gewinner. Die Papiere von Daimler-Chrysler gaben 0,4 % auf 35,95 € nach.

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