Nach der Pleite
Bund will seine Quelle-Millionen zurück

Nach dem endgültigen Aus für das Versandhaus Quelle taumelt der Freistaat zwischen Schuldzuweisungen und Rettungsprogrammen: Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) erhob schwere Vorwürfe an den Quelle-Insolvenzverwalter, Finanzminister Georg Fahrenschon kündigte Hilfen an. Der Bund hofft unterdessen auf die Rückzahlung des Quelle-Kredits.
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HB NÜRNBERG/FÜRTH. Der Politik sei ein Fortführungskonzept für Quelle vorgestellt worden, das bis März 2010 hätte tragen sollen, sagte Haderthauer (CSU) am Mittwoch in Nürnberg. "Dass dieses Konzept nicht einmal einen Monat getragen hat, das wirft Fragen auf." Die Suche nach Investoren sei nicht transparent gewesen. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte das Aus für das Versandhaus Quelle mit Sitz in Fürth damit begründet, dass kein Investor gefunden worden sei.

Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) kündigte Strukturprogramme für die Region Nürnberg/Fürth an. Die Gespräche über mögliche Hilfen liefen bereits, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch im ZDF. Zugleich verteidigte Fahrenschon den Massekredit für Quelle in Höhe von 50 Millionen Euro. Der Betrag sei ausreichend gesichert, somit werde dem Steuerzahler kein Schaden entstehen. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) setzt bei den Hilfen vor allem auf die Qualifizierung und Vermittlung der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz bei Quelle verlieren.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) meldete sich zu Wort. Die Quelle-Beschäftigten könnten auf Hilfsangebot der Arbeitsagenturen hoffen. Merkel erwarte, dass die Bundesagentur für Arbeit prüfe, wie den Beschäftigten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten geholfen werden könne, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin. So könne es zum Beispiel Übergangsgesellschaften geben. Die Kanzlerin mache aber keine Vorgaben.

Die Bundesagentur für Arbeit sicherte den betroffenen 7 000 Mitarbeitern bereits rasche Hilfe zu. In den Räumen des Quelle-Versandhauses in Nürnberg soll eine provisorische Arbeitsagentur eingerichtet werden, sagte der Chef der Regionaldirektion Bayern, Rainer Bomba, am Mittwoch. Er geht davon aus, dass sich allein in Bayern bereits zum 1. November 4 000 Quelle-Mitarbeiter arbeitslos melden müssen. Bundesweit sind voraussichtlich knapp 7 000 der 10



500 Mitarbeiter der Primondo-Gruppe von der Pleite betroffen. Mit dem Aus für Quelle wird auch die bayerische Transfergesellschaft ihre Arbeit einstellen. „Es geht jetzt darum, pragmatisch und schnell neue Beschäftigung und Qualifizierung zu finden und die rasche Zahlung der Leistungen sicherzustellen“, sagte Bomba.

Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ließ erklären, dass sich nach dem Quelle-Aus nun die Arbeitsagentur um die Mitarbeiter kümmern müsse. "Es ist bedauerlich, dass sich das Ergebnis nicht mehr abwenden ließ", sagte Ministeriumssprecher Steffen Moritz. Rückwirkend müsse man aber sagen, dass die Regierung dem Unternehmen im Rahmen des Möglichen geholfen habe.

Bund, Bayern und Sachsen sind zuversichtlich, ihren Kredit von 50 Millionen Euro für den Druck des letzten Quelle-Winterkatalogs zurückzubekommen. Sie stehen auf der Liste der Gläubiger ganz oben. Es müsse jedoch abgewartet werden, was es an Insolvenzmasse gebe, sagte Moritz.

Scharfe Kritik an Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg übte der Landesvorsitzende der Bayern-SPD, Florian Pronold. Zu Guttenberg habe von einer geordneten Insolvenz gesprochen und damit das Sterbeglöckchen für das Traditionsunternehmen geläutet. Dadurch sei das Vertrauen der Kunden erschüttert worden, erklärte Pronold ebenfalls im ZDF-Morgenmagazin. Noch mehr habe ihn gestört, dass sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit dem Katalog in der Hand als Retter aufgespielt habe. Pronold verteidigte jedoch die staatlichen Hilfen für Quelle.

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