Nach der Wahl des Bundespräsidenten
Köhlers Sieg nährt schwarzgelbe Träume

Für die einen ist es ein Vorbote einer schwarzgelben Mehrheit nach der Bundestagswahl, für die anderen ein Ereignis ohne Signalwirkung: Nach der Wiederwahl von Horst Köhler zum Bundespräsidenten bemühen sich alle politischen Parteien, das Ergebnis in ihrem Sinne zu deuten.

BERLIN. Die ersten Kameras werden bereits abgebaut als Angela Merkel und Guido Westerwelle Seite an Seite durch die Empfänge ihrer Fraktionen schlendern. Ein Bild, das mehr sagt, als viele Worte. Beide hatte sich für Horst Köhlers Wiederwahl stark gemacht. Beide hatten ihre Parteien hinter dem Staatsoberhaupt versammelt. Zwei Stunden ist Köhlers Wiederwahl schon her - doch beiden ist die Erleichterung noch anzusehen. Darüber, dass das sie ihr Ziel schon im ersten Wahlgang erreicht haben, darüber, dass das bürgerliche Lager gehalten hat, dass man sich wieder trauen darf, von einer scharzgelben Mehrheit im September zu träumen.

Nach der Wiederwahl von Horst Köhler zum Bundespräsidenten bemühen sich alle politischen Parteien das Ergebnis in ihrem Sinne zu deuten. Während CDU, CSU und FDP den knappen Wahlsieg Köhlers als Vorbote einer schwarzgelben Mehrheit auch nach der Bundestagswahl interpretieren, wollten SPD, Grüne und Linkspartei keinesfalls von einer entscheidenden Weichenstellung sprechen.

„Dass wir unser Ziel mit der FDP erreicht haben“, sei „sicherlich eine Entscheidung auch in Richtung zukünftiger Bündnisse“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer spricht von der „unermesslichen psychologischen Wirkung für das bürgerliche Lager“. SPD-Chef Franz Müntefering dagegen will von einer Signalwirkung nichts wissen. Er verwies darauf, dass es für Köhler im ersten Wahlgang „gerade gereicht“ hatte.

Mit der denkbar knappsten Mehrheit hatten Union und FDP ihren Kandidaten bereits im ersten Wahlgang durchsetzen können. Er erhielt 613 der 1223 abgegebenen Stimmen. So geschlossen, wie es auf den ersten Blick scheint, ist Schwarz-Gelb dabei wohl nicht gewesen. Hätte Köhler die rückhaltlose Unterstützung von Union, FDP und bürgerlich-konservativen Freien Wählern aus Bayern gehabt, hätte er mehr als 613 Stimmen erhalten müssen, denn er bekam auch Stimmen aus dem Lager Gesine Schwans. Die Grüne Silke Stokar votierte für den Amtsinhaber, wie sie sagte. Ihre Parteifreundin Uschi Eid hatte schon vor der Wahl bekundet, für Köhler zu stimmen - wegen seines Afrika-Engagements.

Für Köhlers Gegenkandidatin Schwan votierten 503 Wahlleute.Der Kandidat der Linkspartei, Peter Sodann, bekam mit 91 Stimmen zwei Stimmen mehr als die Linkspartei stellte. Der Kandidat der rechtsextremen NPD und DVU, Frank Rennicke, erhielt von diesen alle vier Stimmen.

Köhler dankte in einer Ansprache für das Vertrauen und sprach den Bürgern Mut zu. Deutschland stehe mitten in einer Krise, sagte er kurz und knapp. „Aber wir werden es schaffen.“ Zentrale Herausforderungen seien die Themen Arbeit, Bildung und Integration. Es gehe auch um ein kreatives Miteinander von Jung und Alt. „Demokratie, das sind wir alle. Jeder soll erfahren, dass es auf ihn ankommt“, sagte er. Daher sprach sich Köhler für mehr Bürgerbeteiligung aus bis hin zur Direktwahl des Staatsoberhauptes. Diese Frage dürfe kein Tabu sein, sagte er später, im Fernsehen. Sein Motto für die zweite Amtsperiode laute: „Vertrauen wir den Bürgern!“.

Seite 1:

Köhlers Sieg nährt schwarzgelbe Träume

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%