Nach Fall Prokon
Bundesregierung will Anlegerschutz verbessern

Die Bundesregierung zieht aus dem Fall Prokon Konsequenzen und möchte die Bafin mit mehr Befugnissen ausstatten. Die Finanzaufsicht dürfte den Plänen nach künftig gefährliche Anlageprodukte vom Markt nehmen.
  • 15

BerlinDie Politik will aus dem Debakel um den Windkraftbetreiber Prokon Konsequenzen ziehen. „Die aktuelle Debatte um Prokon zeigt, dass der Verbraucherschutz im Bereich des Finanzmarkts gestärkt werden muss“, sagte Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerium, dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Die Finanzaufsicht Bafin sollte möglichst schnell in die Lage versetzt werden, Finanzprodukte zu verbieten oder den aktiven Vertrieb zu untersagen, sofern diese die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen“, sagte der SPD-Politiker.

74.000 Anleger haben dem Unternehmen in den vergangenen Jahren 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechtskapital anvertraut. Jetzt könnte Prokon vor der Insolvenz stehen. Ein Großteil des Genussrechtskapitals wäre damit akut gefährdet.

Prokon hatte viel Werbeaufwand betrieben, um Anleger mit Renditen von bis zu acht Prozent zu locken. Die Finanzaufsicht Bafin hatte keine Handhabe, weil sie nach der gegenwärtigen Gesetzeslage die Wertpapierprospekte von Anbietern des sogenannten grauen Kapitalmarkts nur formal prüfen darf. „Ich denke, es spricht viel dafür, dass kein Finanzprodukt und kein Finanzvertrieb von der Regulierung ausgenommen wird“, sagte Kelber.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Nach Fall Prokon: Bundesregierung will Anlegerschutz verbessern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jetzt müssten diese Kommentare auch mal von den Politikern gelesen werden ,welche sich jetzt zum Robin Hood der armen Verbraucher hochstilisieren. Es gibt bereits genug Reglementierung. Und der "böse" Vermittler war diesmal auch außen vor. Es lebe die freie Selbstbestimmung!

  • Verehrte Redaktion, ich finde es bedauerlich und unverständlich, dass ein Blatt dieses Kalibers sich so unreflektiert an der Thematik beteiligt. Insbesondere unverständlich, dass ein Rechtsanwalt, der -wie oft bei sogenannten Anlegerschützern zu beobachten - offensichtlich nur mäßig über das gegenwärtige Regulierungstregime unterrichtet ist, bei Ihnen aber gleichwohl eine Werbeplattform bekommt. Die meisten von dem "Experten" geforderten Änderungen sind entweder längst Gesetz/Verordnung oder stellen einen so tiefen Eingriff in die ökonomischen Dispositionen dar, dass man sie mit Verlaub nicht verantworten kann, will man ein Mindestmaß an Autonomie behalten. Wer über Erfahrungen mit den Aufsichtsbehörden und speziell der BaFin verfügt, weiß genau, dass durch die Ausweitung von deren Kompetenz nur Bürokratieminster, aber kein zusätzlicher Schutz geschaffen wird. Ich erinnere: Lehmann Broth., IKB, HSH Nordbank sind nur ein kleiner Auszug aus der Liste der vollüberwachten Marktakteuere. Anstatt zu erkennen, wo die systemischen Risiken herkommen, wird auf die kleinen Marktteilnehmer eingeschlagen, die vielleicht im Einzelfall riskante Produkte vermitteln, aber niemals ein Systemrisiko darstellen. Das Thema PROKON - in der Branche seit Jahren bekannt - ist kein Regulierungsproblem. Vielmehr ein triviales Problem einer fehlenden Fristenkongruenz in der Finanzierung.
    Im Übrigen waren Strukturvertriebe nie in den PROKON-Vertrieb involviert. Also bitte besser recherchieren!

  • Und auch von mir die Frage: welcher mündige Investor gibt einem Unternehmen seine gesamten Ersparnisse ohne ein Stimmrecht, ohne irgendeine Sicherheit? Die Genussrechte sind ohne einen Vertrieb direkt von Prokon verkauft worden.
    Es braucht keine Vermittler: weil Gier frist Hirn.
    Des weiteren sollte man auch mal genau auf den Werdegang dieser Insolvenzandrohung achten. Die Medien sind hier nicht unmassgeblich an der Entwicklung der Dinge bei Prokon verantwortlich.
    Und noch etwas, auch dieses Blatt hebt immer gern den Finger und schreit laut auf wenn ein Skandal zu vermarkten scheint. Auf aber genau dieser Seite schaltet es Werbung für wahrhaft dubiose Anlageprodukte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%