Nach Schlappe bei Tempelhof-Entscheid
Wowereit lehnt Rücktritt ab

Das Tempelhofer Feld bleibt ein Mekka für Läufer, Skater und Sonnenabeter. Doch die rot-schwarze Koalition muss ihre Pläne nun neu sortieren. Wohin mit neuen Wohnungen und dem Neubau der Landesbibliothek?
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BerlinMit überraschend großer Mehrheit haben die Berliner Wähler ihr Freizeitparadies, den gigantischen stillgelegten Flughafen Tempelhof, vor Bebauung geschützt. Für den ohnehin wegen Bauverzögerungen am neuen Hauptstadtairport gescholtenen Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) und seinen Senat ist das Votum eine Schlappe. „Das ist in der Tat eine Niederlage und sie ist auch deutlich“, räumte Wowereit am Montag im rbb ein. Von einem Rücktritt will er aber nichts wissen.

Der Gesetzentwurf der Bürgerinitiative „100% Tempelhofer Feld“ gegen eine Bebauung des Geländes - größer als das Fürstentum Monaco und mittlerweile ein äußerst beliebtes Freizeitgebiet - setzte sich am Sonntag deutlich mit 64,3 Prozent durch. Der einst älteste Verkehrsflughafen der Welt ist ein Mekka für Läufer, Skater, Griller, Sonnenanbeter und Kiteboarder.

Bei der zeitgleich abgehaltenen Europawahl gewann hingegen überraschend Wowereits SPD: mit 24 Prozent der Stimmen, gefolgt von der CDU mit 20 Prozent. Die Grünen kamen mit 19,1 Prozent auf Platz drei.

Grüne und Linke werteten das Ergebnis des Volksentscheids als Misstrauensvotum gegen dem Senat. Zugleich setzte eine Debatte darüber ein, was aus dem geplanten Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Areal werden soll. Die Grünen schlugen vor, das alte Tempelhofer Flughafengebäude dafür zu nutzen. Der ZLB-Vorstand unterstrich aber die Notwendigkeit eines Neubaus.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh brachte ebenfalls das Flughafengebäude in Tempelhof ins Gespräch. Die SPD werde aber auch nach Standorten für einen Neubau suchen. Möglich sei auch eine Sanierung der beiden alten Standorte.

Die Linke forderte von Wowereit, er müsse Konsequenzen aus der Niederlage des Senats ziehen. Für den notwendigen Wohnungsneubau müsse der Senat die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften mit genügend Kapital ausstatten, erklärte Linken-Chef Klaus Lederer.

Dass auf dem Tempelhofer Feld vorerst nicht gebaut wird, wertete der Naturschutzbund Nabu als Erfolg. Anders sieht das der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). „Der Ausgang des Volksentscheids ist ein harter Schlag für das wachsende Berlin“, sagte BBU-Vorstand Maren Kern laut Mitteilung.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Schlappe bei Tempelhof-Entscheid: Wowereit lehnt Rücktritt ab"

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  • Wowereit muss man erst "wegkratzen" von seinem Posten, vorher werden wir ihn nicht los. "Aussitz-Versager-Postenklammerer" - ekelhaft.

  • Für Bibliotheken werben unsere Politiker. Für Ausländer, kriminelle Asylanten werden sofort Wohnungen bereit gestellt. Warum erhalten die eigenen Bürger keinen geeigneten Wohnraum, menschenwürdig für 2 Euro je Qm??? Wieder nur Kampf und Einsatz für Ausländer!!!?????????

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