Nach umstrittenen Äußerungen
„Sarrazin soll in die NPD eintreten“

„Dämlich“, „gewalttätig“, „rassistisch“: Thilo Sarrazin ist mit neuen Äußerungen über Ausländer und ihr Integrationsverhalten in Deutschland unter schweren Beschuss geraten. Nicht nur seine Partei empört sich. Der Zentralrat der Juden empfiehlt Sarrazin von der SPD zur rechtsextremen NPD zu wechseln.
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DÜSSELDORF. Auch wenn Sarrazins „rassistische Hasstiraden“ nicht mehr überraschend seien: „Ich würde Herrn Sarrazin den Eintritt in die NPD empfehlen, dass macht die Gefechtslage wenigstens klarer und befreit die SPD“, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, Handelsblatt Online. Er begrüße es, dass sich SPD-Chef Sigmar Gabriel unverzüglich von Sarrazin und seinen „Rassentheorien“ distanziert habe. Jede weitere Beschäftigung mit ihm und seinen abwegigen Aussagen wären eine „unverhältnismäßige Aufwertung“ seiner Person.

Kramer riet der Politik daher, sich nicht über Sarrazin zu empören, sondern sich vielmehr „ernsthaft mit den seit Jahren bekannten Defiziten bei der Integrations- und Zuwanderungspolitik“ auseinanderzusetzen. „Wir haben ungelöste Integrationshindernisse für die Integrationswilligen Zuwanderer und zunehmende Ängste - meist aus Unkenntnis der wahren Verhältnisse - auf Seiten der Mehrheitsgesellschaft“, sagte der Zentralrats-Generalsekretär. Dies führe zu einer Abwehrreaktion, die schlimmstenfalls in Fremdenfeindlichkeit gipfeln könne. „Das ist der Nährboden für einen Populisten wie Sarrazin“, sagte Kramer. „Sarrazin ist nur das Ergebnis eines anderen Problems, nämlich der Unfähigkeit der Politik, sich der Herausforderung Zuwanderung und Integration zu stellen und eine Strategie für die Zukunft zu entwickeln.“

Sarrazin hatte am Dienstag in einem Interview im Deutschlandradio Kultur einen höheren Integrationsdruck auf muslimische Einwanderer in Deutschland gefordert. Man dürfe nicht zulassen, dass 40 Prozent der muslimischen Migranten von Transferleistungen lebten und ihnen jede Form von Integration erspart werde. Integration müsse eine Bringschuld von Migranten sein. „Für die Gesamtheit der muslimischen Einwanderung in Deutschland gilt die statistische Wahrheit: In der Summe haben sie uns sozial und auch finanziell wesentlich mehr gekostet, als sie uns wirtschaftlich gebracht haben.“

Der Bundesbank-Vorstand forderte zudem, bei künftigen Migranten wesentlich schärfere Maßnahmen anzulegen. „Die unqualifizierte Migration, die wir gegenwärtig haben, und die Migration des ungebildeten, unqualifizierten Familiennachzugs, das kann in dieser Form nicht weitergehen.

Die SPD-Spitze reagierte höchst verärgert. Sarrazins Aussagen seien zum Teil „dämlich“ und mitunter „gewalttätig“, sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel am Dienstagabend auf seiner Sommerreise durch Rheinland-Pfalz. Er betonte zugleich, dass er „aber auch die intellektuelle Auseinandersetzung“ mit dem früheren Finanzsenator wolle. Denn neben vielen inakzeptablen Äußerungen spreche er auch Dinge an, über die ernsthaft nachgedacht werden müsse.

Gabriel kündigte darüber hinaus an, zu prüfen, ob Sarrazin mit seinen Aussagen bestimmten Bevölkerungsgruppen Charakterzüge zuweise, was rassistisch wäre. Zu weiteren Konsequenzen gegen den früheren Berliner Finanzsenator wollte sich der SPD-Chef nicht äußern.

Rückendeckung erhielt Sarrazin dagegen aus der FDP. „Sarrazin spricht die Integrationsprobleme in Deutschland zwar überspitzt an, das muss aber nicht falsch sein, um eine Diskussion über den richtigen Weg zu führen“, sagte der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, Handelsblatt Online. Er riet der Bundesbank-Spitze zu mehr Gelassenheit beim Umgang mit dem SPD-Politiker. „Der Bundesbankvorstand ist gut beraten, wenn er unterschiedliche Charaktere zulässt“, sagte Schäffler und fügte hinzu: „Als Finanzexperte ist der Sachverstand Sarrazins ohnehin unbestritten.“

Kommentare zu " Nach umstrittenen Äußerungen: „Sarrazin soll in die NPD eintreten“"

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  • @Stef, ich muss dir recht geben, das Christentum hat sich weiterentwickelt, man verbrennt zum beispiel keine rothaarigen Frauen als Hexen mehr auf dem Scheiterhaufen und natürlich hat auch @Murat recht das Judentum hat kein gutes bild vom islam...uns wie sieht es umgekehrt aus ? Wenn ich alleine an das Affentheater wegen der lustigen Mohammed Karikaturen denke bringt auch der islam sehr seltsame Dinge hervor.
    Aber es geht doch hier um Herrn Sarrazin und der wird alleine auf Grund der Vorbestellungen für sein buch jetzt die aktuelle Nummer 1 der bestsellerliste werden.
    ich denke er überspitzt manchmal, spricht aber wichtige Thema für unser Land endlich mal an wenn sich schon kein Politiker traut. Die SPD blamiert sich selbst wenn Sie keinen Platz für Querdenker hat.
    intelligenz scheint in der Partei von Ex-bundeskanzler Helmut Schmidt nicht mehr gefragt zu sein, da schielt man doch zu sehr auf die Wählerklientel mit, wie es auf neudeutsch heisst, "Migrationshintergrund".
    Alles nur Kalkül und streben nach Macht ! Pfui,SPD !

  • @murat deveci:
    Nur dass sich das Christentum seit dem Mittelalter und der Zeit der Kreuzzüge weiter entwickelt und reformiert hat, während der islam sich heute noch im tiefsten Mittelater befindet und jeden Keim zur Reform oder Weiterentwicklung sofort gewaltsam erstickt. im Gegenteil, einige islamische Staaten wollen zurück zum Mittelalter und führen die Sharia wieder ein!

  • Sie scheinen ja viel über den islam gelesen zu haben. Meinen Sie das Judentum hat ein freundliches bild vom islam. Laut dem Tora sind die Juden das auserwählte Volk und somit unsere Herren und alle Nichtjuden sind die Sklaven der Juden. Aber diese aus den Religionen entstehenden Feindseligkeiten kann man ja bei Seite legen, denn zwischen den Christen und Juden herrscht auch keine Freundschaft, wenn man bedenkt, dass die Christen für die Kreuzigung von Jesus die Juden verantwortlich gemacht haben. Also lasst bitte die Religion ausser Spiel, denn weder das Judentum noch das Christentum sind besser.

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