Netzwerk für Patienten
Ärzte leiten Patienten durch das Versorgungsnetz

Die Patientin ist schmal, zuckerkrank und auf den Rollstuhl angewiesen. Ihre Tabletten, so gesteht die 78-Jährige zögerlich ihrem Arzt, nimmt sie meist nach einer Art Zufallsprinzip ein. Und welches Medikament ihr welcher Facharzt verordnet hat, daran kann sie sich auch nicht mehr so genau erinnern.

DÜSSELDORF | BERLIN. Allgemeinmediziner Veit Wambach aus Nürnberg kennt viele Fälle wie diesen. Sie führen ihm immer wieder vor Augen, dass „die getrennten Sektoren im Gesundheitssystem endlich besser kooperieren und Informationen austauschen müssen“. Der Mediziner ist Vorstandschef des Praxisnetzes Nürnberg Nord, dem inzwischen 174 Fach- und Hausärzte sowie das Nürnberger Krankenhaus St. Theresien angeschlossen sind. Darüber hinaus hat das Netzwerk Kooperationsverträge mit verschiedenen Krankenkassen abgeschlossen.

Das Nürnberger Praxisnetz ist nur ein Beispiel dafür, dass im verkrusteten deutschen Gesundheitssystem mehr in Bewegung ist, als manche Kritiker vermuten. In den vergangenen Jahren sorgten viele kleine Weichenstellungen des Gesetzgebers dafür, dass Sektorengrenzen durch neue Versorgungsformen überwunden wurden. So wurden bis Ende 2005 etwa 1 859 Verträge über die so genannte integrierte Versorgung abgeschlossen. Sie sieht vor, dass die einzelnen Behandlungsschritte eines Patienten von der Voruntersuchung über den stationären Aufenthalt bis zur Rehaklinik koordiniert werden. Dafür müssen sich die einzelnen Teilnehmer des Gesundheitssystems über Verträge besser vernetzen.

„Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass es nur ein Versorgungssystem gibt“, sagt Volker Amelung, Professor für Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nötig sei mehr Spielraum für neue Geschäftsmodelle, um besser auf unterschiedliche Bedürfnisse der Patienten eingehen zu können.

So hat das Praxisnetz Nürnberg Nord eine Kooperation mit der AOK vereinbart. Patienten, die sich innerhalb des Netzwerks einen zentralen Koordinationsarzt aussuchen, werden von diesem „Schleusenwärter“ durch das System aus Haus-, Fachärzten und stationärer Behandlung geschleust, was Kosten spart (siehe „Modelle zur Kostensteuerung“). Bei Streitfällen vermittelt ein Ombudsmann, und es gibt ein Beratungsteam für alle medizinischen Fragen.

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