Niederländer am weitesten fortgeschritten
Corporate Governance zeigt wenig Wirkung

Standards für Corporate Governance sind gut für die Professionalisierung der Unternehmenskontrolle; für die Unternehmensleistung oder für die Börsenperformance spielen die Regeln zur Unternehmensführung allerdings keine entscheidende Rolle.

DÜSSELDORF. Das ist das Kernergebnis einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Russell Reynolds unter 145 Aufsichtsvorsitzenden (Chairmen) in ganz Europa, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Der Nachweis, dass eine gute Corporate Governance auch den Börsenwert steigert, ist bislang gescheitert. „Ein direkter Zusammenhang konnte nicht belegt werden“, sagt Manuel René Theisen, Professor an der Universität München. „Eine gute Unternehmensführung wirkt sich aber indirekt positiv auf den Erfolg des Unternehmens aus.“ In Großbritannien beurteilen Firmenkontrolleure ihre Corporate-Governance-Regeln zum Teil sogar skeptisch. Sie nähmen viel Zeit in Anspruch und behinderten so die Aufsichtsräte bei ihrer eigentlichen strategischen Arbeit, gaben die Befragten an.

Ein weiterer Unterschied sei, dass Aufsichtsräte aus Frankreich und Deutschland den Vorsitzenden des Gremiums eher als Moderatoren betrachten. Von einem britischen Chairman dagegen wird „Leadership“ erwartet, sagt Walter Friederichs von Russell Reynolds in Frankfurt.

Nach Friederichs’ Einschätzung sind die Niederländer am weitesten fortgeschritten in der Annäherung an das angelsächsische System der Unternehmenskontrolle.

Andererseits wächst in Deutschland die Kritik an der Praxis, vom Posten des Vorstandschefs nach Vertragsablauf direkt zum Vorsitz des Aufsichtsrates zu wechseln. Das ist bei mehr als der Hälfte der Dax-Konzerne der Fall. 73 Prozent der europäischen Aufsichtsratschefs haben sich dafür ausgesprochen, den Wechsel vom Posten des Vorstandschefs nach Vertragsablauf zum Vorsitz des Aufsichtsrates restriktiv zu handhaben. Ausnahme Frankreich: Dort halten 57 Prozent der Befragten Restriktionen nicht für besonders sinnvoll. Nur ein Insider, so wird argumentiert, verstehe die jeweilige Firmenkultur.

Auch bei der Frage nach dem Wert unabhängiger Aufsichtsräte für die Qualität der Kontrollgremien zeigen sich unterschiedliche Governance-Kulturen in Europa. Deutsche Chefkontrolleure messen der Unabhängigkeit deutlich mehr Gewicht zu als der europäische Durchschnitt.

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