Nikab-Frau in ARD-Talk
„Anne Will“ beschäftigt NDR-Rundfunkrat

Justiz warnte vor Nikab-Frau

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach und der Autor Ahmad Mansour, die beide an der Sendung teilnahmen, warfen der jungen Frau vor, sie verherrliche den Krieg und verharmlose den IS-Terror. Sie bezogen sich dabei auf einen Essay Illis, in dem sie Verständnis für junge Muslime äußert, die sich diskriminiert fühlen und deshalb in den Krieg nach Syrien ziehen. Eine solche Überzeugung müsse „als Zivilcourage“ gelobt werden, schrieb Illi 2014. In Syrien selbst werde Teenagern jedoch bald klar, dass der Krieg „eine bitterharte Langzeitprüfung mit ständigen Hochs und Tiefs“ sei.

Die Zitate wurden in der Sendung von der Redaktion eingeblendet. Mansour kritisierte die Ausstrahlung: „Das kann man in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht machen. Das ist offene Kriegspropaganda.“ Auch Bosbach sagte: „Das geht gar nicht.“

Wie „Bild“ berichtet hatte sogar die Schweizer Bundesanwaltschaft die „Anne Will“-Redaktion gewarnt. „Die Bundesanwaltschaft der Schweiz ist irritiert darüber, dass dem IZRS im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Plattform geboten wird. Dies umso mehr, als dass der besagten Sendung vorgängig auf Anfrage hin mitgeteilt wurde, dass ein Strafverfahren anhängig ist gegen ein Vorstandsmitglied des IZRS sowie gegen Unbekannt“, sagte ein Sprecher der Behörde der Zeitung.

Ermittelt wird demnach wegen des Verstoßes gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen „Al-Qaida“ und „Islamischer Staat“ sowie verwandter Organisationen. Laut „Bild“ wird der Islamische Zentralrat der Schweiz mit seinen rund 3000 Mitgliedern vom Schweizer Nachrichtendienst beobachtet.

Die Redaktion von Anne Will sprach daraufhin von einem „Versäumnis, dass wir in der Sendung nicht zusätzlich explizit auf die Tatsache der Ermittlung gegen ein Mitglied der Vereinigung hingewiesen haben“ Bei einem Gespräch mit der Bundesanwaltschaft sei aber nicht von einer Einladung Illis abgeraten worden.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%