Norbert Röttgen
CDU-Jungstar gegen FDP-Altmeister

Mit dem Auftakt der Klimakonferenz am heutigen Montag in Kopenhagen gerät auch Umweltminister Norbert Röttgen ins Scheinwerferlicht. Seine Reifeprüfung kommt aber erst noch: Der Vertraute von Kanzlerin Merkel soll beim Aushandeln der verlängerten Laufzeiten für deutsche Kernkraftwerke zugleich Energie-Wirtschaftspolitik betreiben – und so die Kreise von Wirtschaftsminister Brüderle einengen.
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BERLIN. Der Vorhang auf der Bühne ist samtblau, der weiche Teppich schluckt die Schritte auch von Hunderten von Leuten, die Leuchter hängen tief von der Decke. Norbert Röttgen tritt an das Pult. Der neue Umweltminister spricht zur Energiepolitik. Er redet zu einem Saal voller Menschen, die, politisch gesehen jedenfalls, bis vor kurzem zu seinen Freunden zählten. Der CDU-Wirtschaftsrat hat zu einer Konferenz geladen über neues, nachhaltiges Wachstum, ein Heimspiel. Eigentlich.

Denn hier sitzen Leute, die finden, dass die Wirtschaft unter einer schwarz-gelben Regierung jetzt schnell die Fesseln sprengen sollte, von der Schwarz-Rot sie nicht befreien konnte. Hier treffen sich Menschen, die andererseits alles gebrauchen können, nur keinen CDU-Umweltminister, der sein Amt als Motor für das „Angrünen“ seiner Partei interpretiert. Der umsetzen will, was Bundespräsident Köhler meinte, als er im März von der „ökologisch-industriellen Revolution“ sprach.

Natürlich nehmen sie den CDU-Mann nicht unfreundlich auf. Röttgen, der Wirtschaftsvordenker, spricht ja ihre Sprache, redet von Wachstum, vom globalen Wettbewerb. Trotzdem spüren sie, dass der neue Mann mit dem ewigen Bubenkopf unter grauem Haar unbequem werden könnte. Was er sagt, könnte auch vom „dicken Gabriel“ kommen, lästert einer. Röttgen spricht vor der Wirtschaft und gibt den Grünen.

Mit einem Appell an das Eigeninteresse der Wirtschaft versucht Röttgen die Kluft zu überbrücken. „Klimaschutzpolitik ist eine Strategie der wirtschaftlichen Modernisierung.“ Es ist sein Credo in den ersten Amtstagen. Klimaschutz – das bedeute eben nicht schrumpfende Renditen. „Kopenhagen ist die wichtigste Wirtschaftskonferenz unserer Zeit“, lautet sein Resümee – hier, bei den Wirtschaftsleuten, ebenso wie im Bundestag, bei Naturschützern oder bei der Pressekonferenz mit Siemens-Vorstandschef Peter Löscher. Einige im Saal schütteln den Kopf. Nur einige wenige klatschen heftig.

Der neue Minister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, so die offizielle Bezeichnung von Röttgens Ressort, wird sechs Wochen nach dem Start der neuen Bundesregierung so neugierig beäugt wie sonst kein Kabinettsmitglied. Etiketten heften ihm viele an: Angela Merkels Vorzeigemann, beinahe Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), CDU-Wirtschafts-Vordenker, Fraktionschef in Wartestellung, jetzt Umweltminister. Norbert Röttgen war in den vier Jahren der Großen Koalition vieles wirklich, so manches fast und ist am Ende nicht das geworden, was er eigentlich wollte – Fraktionschef. Das Umweltressort ist immerhin seine zweitliebste Wahl.

Es ist ein Amt mit ebenso vielen Risiken wie Chancen, wobei die Chancen in diesen Tagen überwiegen: Auf der Uno-Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen, die heute beginnt, kann der Neue früh zeigen, dass er sich im Gewirr der Klimaschutzziele und Erderwärmungsszenarien auskennt und es ernst meint, wenn er von der „Überlebensfrage der Menschheit“ spricht. Doch in Kopenhagen ist Röttgen, ist Deutschland nur ein Teilnehmer von 192, in Kopenhagen kommt es viel mehr auf Amerikaner und Chinesen an. Diese Länder bestimmen, wie verbindlich, wie ambitioniert die Klimaschutzziele werden, auf die sich Industrie- wie Entwicklungsländer verständigen.

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