Notschlachtungen in Russland
Bundesregierung beruft Krisenstab wegen Vogelgrippegefahr ein

Nach dem Vogelgrippe-Alarm in Rumänien und der Türkei beruft die Bundesregierung den nationalen Krisenstab von Bund und Ländern ein. Das Gremium solle an diesem Mittwoch in Bonn beraten, welche Aktionen für den Notfall nötig seien, teilte der zuständige Bundesminister Jürgen Trittin (Grüne) am Dienstag mit. Der Stab werde dazu die Risikoeinschätzung der Tierseuchenexperten des Friedrich-Loeffler-Instituts anhören.

HB BERLIN/BONN. Die EU-Kommission hatte den Importstopp für Geflügel und Geflügelprodukte aus der Türkei verschärft. Die Kommission beschloss am Montag in Brüssel ein Verbot für die Einfuhr lebender Vögel und unbehandelter Federn. Die Mitgliedstaaten müssen das Verbot umgehend umsetzen. Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy sprach sich wegen des Vogelgrippe-Alarms für ein möglichst baldiges Treffen der EU-Gesundheits- und Außenminister aus.

Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy sprach sich abgesichts des Vogelgrippe-Alarms für ein möglichst baldiges Treffen der EU-Gesundheits- und Außenminister aus. Ein gemeinsames und organisiertes Vorgehen sei notwendig, „damit nicht ein Land dieses tut und das andere jenes“, sagte Doueste-Blazy am Dienstag dem Pariser Fernsehsender France 2. „Das Vogelgrippe-Virus ist dabei, sich zu verbreiten und kommt vor unseren Türen an“, sagte der Minister. „Gegenwärtig besteht in Frankreich aber keine Gefahr“, fügte Douste-Blazy an. Unterdessen betonten französische Experten, das in Rumänien und in der Türkei aufgetretene Vogelgrippe-Virus sei nicht unbedingt der gefährliche Typ H5N1, der in Asien grassiert.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, forderte schärfere Grenzkontrollen. „Die Schutzmaßnahmen an Flughäfen und Grenzstationen sollten verstärkt werden“, sagte Sonnleitner der „Berliner Zeitung“. Neben der Übertragung durch Zugvögel stelle auch der internationale Handel mit Geflügel eine Gefahrenquelle dar. Auch Reisende müssten noch stärker als bisher auf die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert werden, sagte Sonnleitner.

Am Montag wurden auch aus Kolumbien erste Fälle von Vogelgrippe gemeldet. Allerdings handele es sich in dem südamerikanischen Land um das Virus H9, einen weniger gefährlichen Erreger als der in Asien grassierende Virus-Typ, teilten die kolumbianischen Behörden mit.

Mit Notschlachtungen wollen die Behörden im westsibirischen Gebiet Kurgan eine Ausbreitung von Vogelgrippe in ihrer Region verhindern. Nach Ausbruch von Vogelgrippe in einer Geflügelfarm bei Kurgan werde bis Dienstagabend der gesamte Bestand von 460 000 Tieren getötet, teilte die Veterinärbehörde von Kurgan nach Angaben der Agentur Interfax mit. Angaben zum Virustyp wurden zunächst nicht gemacht.

Unterdessen wurde nach Protesten von Dorfeinwohnern in Rumänien trotz des Vogelgrippe-Verdachts die Massentötungen von Geflügel gestoppt. Im Dorf Ceamurlia de Jos im Süden des Donaudeltas waren bereits 30 000 Tiere getötet worden. Die Einwohner weigerten sich jedoch, die restlichen rund 15 000 Vögel freizugeben. Obwohl die Behörden Entschädigungen in Aussicht stellten, wollten die Einwohner es sich bis Dienstag überlegen, ob sie weiteren Notschlachtungen zustimmen.

Bei drei in Ceamurlia verendeten Hausenten waren Antikörper gegen die Vogelgrippe festgestellt worden. Rumänische Behörden haben das gesamte Donaudelta und den Verwaltungskreis Tulcea unter Quarantäne gestellt. In der Türkei wurden nach dem Vogelgrippe-Alarm tausende Puten in nächtlichen Aktionen mit Gas getötet.

Das Risiko einer Infektion des Menschen über die Nahrung halten Experten für sehr gering. Die Viren werden durch Kochen abgetötet. Für einen Ausbruch der auch für den Menschen gefährlichen Variante der Vogelgrippe in Rumänien gebe es bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Erste Tests seien negativ gewesen. Weitere Testergebnisse von Proben aus der Rumänien und der Türkei seien für Mittwoch zu erwarten. Deutschland ist nach Angaben von Bundesminister Jürgen Trittin (Grüne) auf den Ernstfall vorbereitet.

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