Christian Lindner
Das letzte Aufgebot der FDP

In Nordrhein-Westfalen geht es für die FDP um alles oder nichts. In der Schicksalswahl setzen die Liberalen auf ein Comeback: Der frühere Generalsekretär Lindner soll die Rettung sein. Parteichef Rösler ist „dankbar“.
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Düsseldorf/BerlinEs ist vielleicht das große Politcomeback dieses noch jungen Jahres. Der frühere Berliner Generalsekretär Christian Lindner soll die krisengeschüttelte Partei als Spitzenkandidat in die lebenswichtige Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen führen. Darauf einigte sich der Landesvorstand der NRW-FDP in einer Sondersitzung in Düsseldorf.

Wie entscheidend diese Wahl und die wie groß die Hoffnungen der Liberalen in Lindner sind, machte Parteichef Philipp Rösler deutlich als er sagte: „Wir schicken den besten Mann.“ Rösler bezeichnete die Auflösung des Düsseldorfer Landtags und die voraussichtlich im Mai anstehende Neuwahl als Riesenchance für die Partei. „Von hier wird ein Signal ausgehen auch weit über den Bundesverband hinaus für die gesamte Bundes-FDP.“

Es sei eine Frage der Glaubwürdigkeit, einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, der klar für das Land Nordrhein-Westfalen stehe, sagte Rösler im „Morgenmagazin“ der ARD. Nach eigenen Angaben ist Rösler „froh und dankbar“, dass der frühere Generalsekretär die Spitzenkandidatur im nordrhein-westfälischen Wahlkampf übernimmt. „Jedem ist klar, es geht hier um NRW, aber es geht darüber hinaus um die Frage, wird es in Zukunft eine liberale Partei geben“, sagte Rösler weiter.

Die FDP in Nordrhein-Westfalen hatte am Donnerstagabend auf einer außerordentlichen Sitzung des Landesvorstands in Düsseldorf entschieden, dass Lindner als Spitzenkandidat die Liberalen als in die Landtagswahl im Mai führen und zugleich den Vorsitz der

NRW-FDP von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr übernehmen soll. Lindner war kurz vor Weihnachten als Generalsekretär der Bundes-FDP zurückgetreten und hatte damit Verärgerung in der Partei ausgelöst. Grund seines Rückzugs war offenbar die

Unzufriedenheit mit der anhaltenden Krise der FDP und dem Kurs der Parteiführung unter Rösler.

Das ist zweifellos ein sensationelles Comeback für Christian Lindner: Nur drei Monate nach seinem überraschenden Rücktritt vom Amt des FDP-Generalsekretärs greift der 33-Jährige schon wieder nach einer Riesenherausforderung. Chef im größten FDP-Landesverband in NRW will er werden, die bei zwei Prozent Umfragewerten darbende FDP als
Spitzenkandidat wieder in den Landtag führen und möglichst auch in eine neue Landesregierung.

Und genau deshalb soll der 33-Jährige auch Parteichef im größten Landesverband werden. Der amtierende Parteichef, Daniel Bahr, kündigte an, Lindner auf dem nächsten Landesparteitag als neuen Vorsitzenden vorzuschlagen. Er wolle die Führung in NRW in eine Hand legen, damit Lindner die volle Rückendeckung des Landesverbands habe, sagte Bahr.

Dass Bahr, der den Verband erst seit 14 Monaten führt, den Vorsitz in Lindners Hände legen will, hatte niemand auf dem Zettel. Doch der Landesvorstand votierte laut Parteiangaben einstimmig für den charismatischen Jungstar, der kaum zwei Monate Zeit hat, um seine fast unmöglich erscheinende Mission zu erfüllen.

Bereits vor der abendlichen Sitzung schossen die Spekulationen ins Kraut. Auch Bahr galt als Kandidat für die Spitzenkandidatur. Als er sich gemeinsam mit Lindner und dem bisherigen Landtagsfraktionschef Gerhard Papke zu einem vertraulichen Dreier-Gespräch zurückzog und die übrigen Landesvorstandsmitglieder eine Stunde auf den Beginn der
Sitzung warten mussten, kamen Gerüchte über einen Führungskampf auf.

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  • Das Volk hat ihre Meinung schon ueber die FDP gebildet
    Die FDP hat mit ihren wirtschaftsliberalen Ideen wobei alle Kontollmechanismen in der Wirtschaft ueber Bord geworfen wurden,die erste Finanzkrise aus den USA nach Deutschland geholt,welche jetzt in die Eurokrise gefuehrt hat.Auch wurde die Kriegspolitik der Union voll unterschrieben und Westerwelle war in seinem Amt als Aussenminister ein begeisteter Afganistanbesucher,wobei er die Volksgefuehle die zu 80% diesen Krieg ablehnen voellig ignoriert hat.Sehr begeistert hat Westerwelle die Sanktionen gegen den Iran mitgemacht,mit Kosten beim heutigen Oelpreis 150 miliarden $/Jahr,oder 1,5 mio Arbeitslose europaweit.Seitdem die Zeitungen die bevorstehende Bombardierung von Iran durch Atomstaat Israel melden,stellt sich heraus das das falsche Land sanktioniert wurden mit katastrophalen Folgen fuer die europaeische Wirtschaft.Mit Westerwelle in der Partei braucht die FDP keine Feinde

  • Generalsekretär in NRW war Lindner. Bundestagswahl 2009 hat dort die FDP 14,9 % erreicht.

  • Sehr geehrter Herr Lindner,

    das größte Flächenland ist bankrott und alle etablierten Parteien und auch die Piraten sollten nun nach vorne blicken zur Widerlegung der Schere und zum tatsächlichen Wohlstand der Schwächsten mit den Besten der Besten und so wenig populistisch wie möglich. Respice finem!
    Was zeichnet die FDP aus? Kann sie ohne Fundament ein Haus bauen?
    Freiheit ist immer eine transzendale Idee ohne jegliche empirische Anschauung. Deswegen haben die Philosophen darüber Jahrhunderte geschrieben und darum hat Jemand in der Staatstheorie regulative Ideen entwickelt. Eine regulative Idee ist das "Wählen" des "Volkes"- wenige Beschreibung für einen sehr sehr komplexen Vorgang in der "Demokratier", der die FDP vorrangig in die Falle manövriert hat.
    Im Sinn der Entwicklung vollkommenerer, zeitgemäßer Formen- optimistischer Evolutionismus- ist m.e. für die Partei der FDP nun entscheidend, dem "Volk" in den verschieden Politikbereichen a n d e r e regulative Ideen anzubieten. Beispielsweise hatte Frank Schäffler im Ansatz richtig erkannt- ob Alt oder Jung. Was ist zum Beispiel aus Freiheitlicher Sicht die regulative Idee einer Finanztransaktionssteuer? Oder zum Beispiel die regulative Idee einer Arbeitsmarktreform oder Pflegereform- es fehlen in NRW 150 Milliarden für die Altervorsorge- auf Landesebene?
    Wenn die FDP mit Jung und Alt den Determinismus nicht all-zu starr versteht, verknüpft sie diskursive Vernunftnotwendigkeit und Freiheit, und erhält und überträgt dadurch die Freiheit die verloren gegangenen ist: F+ DP.
    MfG

    Eine Überparteiliche

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