Liberaler Hoffnungsträger
Schnell, schneller, Lindner

Drei Monate nach dem Rücktritt als Generalsekretär ist Christian Lindner wieder da - als letzte Hoffnung der FDP an Rhein und Ruhr. Jetzt muss er beweisen, dass er mehr kann, als Tempo und „Säuselliberalismus“.
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DüsseldorfEs hat keine 100 Tage gedauert, bis aus dem fahnenflüchtigen Generalsekretär Christian Lindner ein Hoffnungsträger wurde. 100 Tage, in denen Lindner sich ein Programm zurechtgelegt hat, mit dem er die FDP nun in den nordrhein-westfälischen Landtag führen will. Mit Themen, die nicht nur Zahnärzte und Hoteliers begeistern. An diesem Programm hat er gearbeitet, seit er im Dezember sein Amt hinwarf. Natürlich ohne die Dringlichkeit zu ahnen.

Anfang März etwa sitzt Lindner in seinem Büro und sinniert: „Der Mindestlohn-Kompromiss der CDU wäre eine Möglichkeit gewesen, einen Punkt in Sachen neuer FDP zu machen.“ Am Dienstag darauf sagt er beim Paritätischen Wohlfahrtsverband: „Es gab in NRW gute Ansätze unter Rot-Grün, was die Unabhängigkeit von Schulen angeht.“ Lob für den politischen Gegner also, das nicht jedem in der Partei geschmeckt haben dürfte.

Was zunächst als folgenlose Gedankenübung eines Jungpolitikers durchging, ist nun zur letzten Hoffnung einer Partei aufgestiegen, die um ihr Überleben ringt. Denn in Lindners Heimatland Nordrhein-Westfalen gibt es Neuwahlen - und extrem schwache Umfragewerte. In ihrer Not berief sie den 33-Jährigen zum Spitzenkandidaten und Landeschef.

Und Lindner sagt zu, ohne wenn und aber, aber auch nicht ganz aus freien Stücken. Er wolle seine Arbeit ab Mai im Landtag fortsetzen und sein Bundestagsmandat aufgeben, bekräftige Lindner am Montag. Er sei „der Kandidat für Nordrhein-Westfalen und das nicht nur für 60 Tage, sondern dauerhaft“. Und er rechnet sich gute Chancen aus tatsächlich in den Landtag zu kommen. Eine neue Umfrage sieht die Liberalen, die bis auf zwei Prozent abgesackt waren, nun plötzlich bei vier Prozent. Die Menschen hörten der FDP wieder zu und seien interessiert daran, wie sich die Partei in der nächsten Zeit positioniere, sagt Lindner.

Er ist nun Hoffnungsträger. Mal wieder. „Der bessere Guido“ titelte der „Spiegel“, als Westerwelle Lindner vor drei Jahren zum Generalsekretär machte. Parteichef Rösler muss nun schauen, dass daraus nicht „Der bessere Philipp“ wird.

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  • Was herauskommt wenn sich Ärzte, Apotheker, Juristen und Unternehmer einer "Bubi-Truppe" als Potenzial andienen, das erlebet die Republik demnächst in einem nie dagewesenen Affront. Die Wähler wehren sich gegen eine Partei, die weniger liberal, dafür vielen egal, manchen gleichgültig und anderen wiederum sch...egal ist. Direte Demokraten nehmen es auch gerne andersherum in den Mund.

    Betrachter der politischen Szene werden immer weniger, da die Partei-Programme eher einem Supermarkt mit Tante-Emma-Anbindung gleichen. Für die Politiker der reinste Selbstbedienungsladen oder auch ein Laden der Selbstbeweihräucherung.

    Die Verbreitung von Düften in der Medienlandschaft hat bisher noch keinen Einzug halten können. Ob diejenigen das wissen, welche hier und da ihre "Schirmchen" oder "Duftmarken" ablassen?

  • Mit einer Ärzte-, Anwälte- und Apothekerpartei ist in diesem Land kein Staat zu machen. Wer über Jahrzehnte diese Partei nur auf die Partikularinteressen von ein paar Privilegierten verengt, ist zum Untergang verdammt. Die Partei hat eine historische Chance vertan bei dem Euro Rettungsschirmwahnsinn Kante zu zeigen. Stattdessen hat sie ihre ureigensten Prinzipien verraten. Jetzt bekommt sie dafür die Quittung.

  • Schon einmal hat Deutschland das Abmühen eines Untergehenden beobachten dürfen. Da kamen dann "Wunderwaffen" zum Einsatz und zum Schluss sollte eine Geisterarmee Wenck die Sache retten.

    So ähnlich sieht das auch mit der FDP aus. Auch dort wird der "Endsieg" herbeigeredet und der selbstverschuldete politische Selbstmord in NRW als "Chance" verkauft. Nur hat einfach keiner in der FDP gemerkt das es weder Wunderwaffen richten werden noch gar ein "General Lindner ... äh Wenck". Der Wähler ist allzu oft von der FDP enttäuscht worden und die Wut hat sich genug angestaut. Wenn die FDP in den Landtagswahlkämpfen von NRW und im Saarland jetzt tatsächlich überlebt, dann ist das wirklich ein Wunder. In Schleswig-Holstein mag Kubicki noch "Die Wende" herebeiführen aber sonst ... und das geschieht der Partei zu Recht.

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