NRW-Wahlkampf
Landesmutter gegen Musterschüler

Zum Höhepunkt des NRW-Wahlkampfs zeigen Hannelore Kraft und Norbert Röttgen Nerven. Im Fernseh-Rededuell verlieren sie sich im Klein-Klein. Sinnbild eines Wahlkampfes, dem es an packenden Ideen fehlt.
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KölnNach dem Duell kommt Hannelore Kraft mit ihrer Entourage noch ins Pressezentrum, sie schüttelt ein paar Hände, gibt ein Statement für die Kameras, will unter den Journalisten die Stimmung ein bisschen zu den eigenen Gunsten beeinflussen. „Ich bin zufrieden“, sagt die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin, „ich denke, die Unterschiede sind deutlich geworden.“ Und wie fand sie sich? „Nach ein paar Minuten bin ich warm geworden“, sagt sie, „und dann machte es auch Spaß.“

Es dauert an diesem Abend wohl mehr als nur ein paar Minuten, bis Hannelore Kraft im Fernsehstudio zurück in die Spur und Spaß an der Sache findet. Um genauer zu sein: So ziemlich die komplette erste Hälfte des einstündigen Fernsehduells wirkt sie unsouverän, fahrig, ließ sie sich vom Herausforderer Norbert Röttgen tatsächlich herausfordern.  Sie lächelt genervt, wirkt genervt.

Dabei hätte sich dazu eigentlich keinen Grund gehabt. CDU-Frontmann Norbert Röttgen zeigt sich zwar angriffslustig, weiß aber nicht wirklich zu punkten. Weil er sich in seinem Zahlensalat verliert. Milliarden, Millionen, Prozent. Jeweils mit Nachkommastellen. 90.000 Kita-Plätze, 16.000 Kitaplätze, 144.000 Kitaplätze oder so ähnlich – am Ende weiß kein Mensch mehr, welche geschaffen wurden, werden sollen, worden sind (von der CDU-Vorgängerregierung) oder zu schaffen versäumt wurde (von Rot-Grün).

Erst in der zweite Hälfte des Duells fängt sich Hannelore Kraft, wird schlagkräftiger, verliert ihre Fuchsigkeit, das Spöttische im Blick und kontert bisweilen gelassen, macht auch mal einen unerwarteten Zug. Als Röttgen, von Hauptberuf Bundesumweltminister, auf die Energiewende zu sprechen kommt, nimmt Kraft eine Position ein, die auch in der CDU-Mittelstandsvereinigung mehrheitsfähig wäre. „Wir brauchen bezahlbare Energie für Unternehmen und Haushalte“, sagt sie. Hannelore, die Verteidigerin der Aluhütte.



Letztendlich zeigte das Duell anschaulich, wie dieser Wahlkampf läuft: Hannelore Kraft setzt ganz und gar auf ihre Rolle als sorgende Landesmutter, setzt auf ihre hohen Sympathiewerte, lässt es in ihren guten Momenten menscheln. Wo immer sich eine Botschaft mit Emotion an den Wähler bringen, macht sie das besser als Norbert Röttgen. Knappe Sätze, klare Sprache. „Bildung muss gebührenfrei sein“, ist so einer, der im Land ankommt. „NRW im Herzen“, steht auf ihren Wahlplakaten. Viel mehr ist ihr und der SPD nicht eingefallen. Das ist alles andere als tiefschürfend, es ist Wohlfühl-Wahlkampf. Aber es könnte am 13. Mai reichen.

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  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

  • >> Der normale Bürger wieß doch gar nicht,
    >> dass es sie überhaupt gibt.

    Woran das bloß liegt?

    Daran, daß er "normal" und Ihr bloß Irre seid????

  • Wer Hannelore Kraft kennt, weiß, dass sie einem Schuldenstaat immer das Wort geredet hat, egal wie hoch der Schuldenstand ist, es geht immer noch ein bisschen mehr.

    In dem Glauben, alles in die Welt zu bringen, was sie für richtig hält, macht sie sich vor keinerlei neuen Schulden bange. Da sieht sie auch schon einmal über Verfassungsrechte hinweg. Eigentlich verhält sie sich wie eine Staatsspekulantin. Sie spekuliert darauf dass ihre kreditfinanzierten staatlichen Investitionen/Förderprogramme zu höheren Wachstumsraten führen, die höher sind als die Zinsrate des Kredits. Ansonsten sitzt das Land nämlich weiter in der Schuldenfalle. Das hat zwar noch nie funktioniert, aber egal scheint sie zu denken, passt schon.

    Offenbar nicht wissend, dass sie mit ihrer Spekulation, wenn sie nicht aufgeht, die zinsinduzierte Steuerlastquote weiter in die Höhe treibt. Was nichts anderes heißt, als dass die Vermögensverteilung von unten nach oben weiter zunimmt. Sie nimmt zu, weil alle Steuerpflichtigen die Zinsen zahlen, aber die wenigen Reichen sie kassieren. So bleibt der Staat weiterhin der Bittsteller des Kapitals und das Kapital der eigentliche Gesetzgeber.

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