Schmutzkampagne
Frau Kraft und das Stinktier

Der NRW-Wahlkampf hat seinen ersten kleinen Skandal. Eine Werbeagentur hat eine Schmutzkampagne gegen Ministerpräsidentin Kraft gestartet. Dahinter steckt ein Ex-Sprecher von CDU-Chefin Angela Merkel.
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DüsseldorfHannelore Kraft als Stinktier oder mit aufgeschnittenem Schädel, aus dem nur Luftblasen steigen, fragwürdige Wortspielchen mit dem Namen der Ministerpräsidentin („Abwehrkraft“, „Kraftakt“, „Ohne Köpfchen bleibt nur die Kraft“) – es ist eine klassische Schmutzkampagne, die da auf Facebook unter dem Titel „Weniger Kraft“ um Aufmerksamkeit kämpft.

Die Reaktionen im Netz jedenfalls ist verheerend. Blogger und Unternehmensberater Thomas Knüwer, ein ehemaliger Handelsblatt-Redakteur, nennt die Kampagne auf Indiskretion Ehrensache „platt und dumm“, die Ruhrbarone finden sie „peinlich“ und „lächerlich“.

Dahinter steckt eine Werbeagentur, die gar nicht in Nordrhein-Westfalen sitzt, sondern im benachbarten Rheinland-Pfalz: Friedsam & Gemein aus Sinzig. Besonders pikant: Agentur-Inhaber Franz-Josef Gemein war nach eigenen Angaben bis 2003 stellvertretender Sprecher der CDU Deutschland unter ihrer Vorsitzenden Angela Merkel und im Wahlkampf 2002 ausgerechnet für die Online-Kampagne der CDU zuständig. Die Agentur bedient sich bei der Gestaltung ihrer Anzeigen großzügig am Design der CDU: Rechts unten findet sich der Werbespruch „Besser Röttgen“ im bekannten CDU-Orange.

Nach den Mutmaßungen im Netz, die CDU könnte der Auftraggeber der Kampagne sein, posteten die Macher heute am späten Vormittag: „Dies ist eine Aktion, die komplett ehrenamtlich läuft. Das machen wir mit unseren Mittel, weil wir eine Werbeagentur sind. Es gibt keinen Auftraggeber.“ Agentur-Inhaber Gemein war für Handelsblatt Online für eine weitergehende Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Zuvor hatte bereits die nordrhein-westfälische CDU vehement dementiert, irgendetwas mit der Kampagne zu tun zu haben. Die CDU in NRW stehe „in keiner Verbindung zu den Initiatoren dieser Aktion“ und distanziere sich ausdrücklich, postete Sprecherin Julika Lendvai auf Facebook.

Allerdings berichtete Knüwer, dass sich in der Kundenliste von „Friedsam & Gemein“ auch die CDU Deutschland befinde. Heute Mittag war die Partei auf dieser Kundenliste im Netz allerdings nicht zu finden.


Kommentare zu " Schmutzkampagne: Frau Kraft und das Stinktier"

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  • @larsbruecher:
    Der Googlebot war leider schon da, der CDU-Eintrag ist auch da jetzt raus.

  • @prokapitalismus

    Wie man sieht, ist es doch einfach, manche etwas
    Unterbelichteten auch mit einem Stinktierfurz zum
    lachen zu bringen, mein lieber "Platt und Dumm."

  • nicht "mehr" auf der Kundenliste muss man wohl sagen, aber im Google Cache sieht man es noch. Muss heute gelöscht worden sein. http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:AIXqH4sK_YcJ:www.friedsam-gemein.de/de/kunden.html+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

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