Wahl in NRW
„Muttis Klügster“ taktiert bis zum Schluss

Norbert Röttgen hat offenbar erkannt, dass er nicht CDU-Spitzenkandidat in NRW und Bundesumweltminister sein kann. Er will aber auch nicht als Getriebener erscheinen - und legt sich eine ganz besondere Taktik zurecht.
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Nach Informationen des Handelsblatts hat sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen nun doch entschieden, ganz in die NRW-Landespolitik zu wechseln. Allerdings wolle er sich darauf erst zum Ende des Wahlkampfs festlegen.„Dann kann er noch einige Prozentpunkte zulegen“, heißt es in seinem Umfeld. Röttgen dürfe dem Druck nicht nachgeben, weil er sonst wie ein Getriebener wirke. Es sei richtig zu warten. „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“, sagte Generalsekretär Oliver Wittke.

Allerdings hält die Debatte über Röttgens Zögerlichkeit an. So berichtete die „Bild“-Zeitung am Montag, Röttgen habe Vertrauten gesagt, er bleibe im Falle einer Wahlniederlage Umweltminister. Das fehlende Bekenntnis für die Landespolitik wurde Röttgen am Wochenende auch unter Wohlgesonnenen in der Partei als Fehler ausgelegt. Die SPD in Düsseldorf schlachtet dies bereits genüsslich aus. „Halbherzig in den NRW-Wahlkampf einsteigen, ohne die Rückfahrkarte nach Berlin abzugeben – das wird nicht klappen“, freute sich SPD-Generalsekretär Michael Groschek.

Und auch in der Union wächst der Druck. Am Montagmorgen kündigte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Peter Altmaier, eine rasche Entscheidung über Röttgens künftige Rolle in der nordrhein-westfälischen Landespolitik an. „Ich bin fest überzeugt, dass wir die offenen Fragen, die es gibt, innerhalb der Union diskutieren und klären werden“, sagte Altmaier im Bayerischen Rundfunk. Noch am Montag oder Dienstag wolle sich der Landesvorstand der NRW-CDU mit dem Thema beschäftigen, sagte Altmaier.

Röttgens Dilemma: er will bundespolitisch Einfluss behalten, was als Oppositionsführer nicht möglich ist. „Muttis Klügster“, wie er despektierlich genannt wird, wolle insgeheim Kanzler werden, heißt es. Andererseits kann er nur Ministerpräsident werden, wenn er sich zu dem Land bekennt.

Je länger Röttgen zögert, desto weniger Zeit hat Merkel, einen Nachfolger zu finden, der die stockende Energiewende umsetzt. Infrage käme Tanja Gönner, zuletzt Umweltministerin in Baden-Württemberg. Allerdings wäre damit der Regionalproporz im Kabinett verletzt. Genannt wird auch Ursula Heinen-Esser, Staatssekretärin im Umweltministerium und stellvertretende Landesvorsitzende der CDU in NRW.

Öffentlich hält sich Röttgen selbst weiter bedeckt. Auch eine Koalitionsaussage will er nicht treffen. Intern wird davon ausgegangen, ein Bündnis mit den Grünen anzustreben. Allerdings erfährt auch der natürliche Koalitionspartner, die FDP, wieder Aufwind. In einer Umfrage des Emnid-Instituts erreichen die Liberalen erstmals seit November wieder vier Prozent.

Der FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner, ehemals Generalsekretär der Liberalen, hält es wie Röttgen: Es will sich nicht festlegen, ob er in die Landespolitik wechselt und auch nicht sagen, mit wem er koalieren würde – wenn es die FDP in den Landtag schaffen sollte.

Mit Material von dapd

Dr. Daniel Delhaes
Daniel Delhaes
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Wahl in NRW: „Muttis Klügster“ taktiert bis zum Schluss"

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  • ach herrje, die Dumpfbacke Gönner schaut auch schon wieder um die Ecke

  • Ist Herr Röttgen wirklich Muttis klügster? Man darf daran seine Zweifel haben. Er ist aber einer der gerissenen in Muttis Kabinett, neben Herrn Schäuble.
    Mir graut vor so viel Ignoranz, gegen über dem eigenen Volk.
    Alles nur Taschenfühler, auf Kosten der Steuerzahler.
    Danke

  • Genau so ist es.
    Hinzu kommt ja, dass seine Bezüge als Oppositionsführer in NRW geringer sind als die als Minister.
    Röttgen zeigt ganz deutlich dass die heutigen Politiker nicht mehr wirklich an Land und Menschen interessiert sind, sondern lediglich an ihrem Einkommen.
    Politik ist nur noch Gelderwerb für diese arroganten Typen
    Einfach nur noch ekelhaft

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