Nordrhein-Westfalen Wahl 2017

NRW-Wahl
Noteinsatz für die SPD

Selten wurde der Landtagswahl in NRW so eine große Bedeutung zugemessen. Die SPD droht nach dem Saarland und Schleswig-Holstein auch in NRW zu verlieren. Doch Hannelore Kraft gibt sich auf den letzten Metern gelassen.
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Düsseldorf/MülheimWie bestellt rasen am Wahlsonntag vier Löschzüge der Feuerwehr über die Nordstraße in Mülheim an der Ruhr. Als Hannelore Kraft aus ihrem Wahllokal kommt, ist der Lärm der Martinshörner ohrenbetäubend. Die Landtagswahl in NRW ist für die SPD zu einem Noteinsatz geworden.

Bestens habe sie geschlafen, lässt Kraft die wartenden Journalisten wissen. Gleich wolle sie auch noch einen Spaziergang machen. Die amtierende Ministerpräsidentin gibt sich gelöst – obwohl ihr so komfortabler Vorsprung in den Umfragen zusammengeschmolzen ist. Nordrhein-Westfalen gilt eigentlich als „Herzkammer der Sozialdemokratie“: In den vergangenen 50 Jahren hatte fast immer ein SPD-Regierungschef die Zügel in der Hand, außer von 2005 bis 2010. Doch CDU und SPD liegen den letzten Umfragen zufolge ungefähr gleich auf. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Armin Laschet sogar vor der SPD: Mit 32 zu 31 Prozent.

Die Landtagswahl in NRW gilt als letzter Stimmungsmesser für die Bundestagswahlen im September. Hier heißt es nicht mehr nur Laschet gegen Kraft, die Wahl steht auch für das Duell Angela Merkel gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Sollte Laschet tatsächlich gegen Kraft gewinnen können, wäre das für die SPD ein Desaster. Zuletzt hatte die CDU schon die Landtagswahlen im Saarland und Schleswig-Holstein gewonnen. Der NRW-Wahl wird daher eine so große Bedeutung zugemessen wie selten zuvor.

Zumindest im Stimmbezirk 134 in Mülheim scheint die SPD aber noch deutlich stärker als die CDU zu sein. Ein Grund: Kraft hat ihr Heimvorteil. „Man wählt eh immer das, was man schon immer gewählt hat. Außerdem wohnt die Hannelore doch hier“, sagt eine braungebrannte ältere Dame mit Kurzhaarschnitt. Kraft wohnt nur zwei Straßen entfernt, sie kommt deshalb zu Fuß zur Wahl geschlendert – Hand in Hand mit ihrem Mann Udo. Auf dem Schulhof umarmt sie noch schnell einen Bekannten, ehe sie zur Stimmabgabe in dem zweigeschossigen Backsteingebäude verschwindet.

Eine Rentnerin mit geblümter Bluse und beiger Weste gibt die Meinung vieler wieder, als sie sagt: „Wir sind zufrieden, wie es im Moment läuft – und dementsprechend habe ich auch gewählt.“ Allerdings weiß man auch in Krafts Heimatort, dass ihr Bonus in den vergangen Wochen Schicht um Schicht abgeblättert ist. Ein Mittvierziger im roten Shirt und Lederjacke sagt deshalb: „Das wird heute ganz eng. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen.“

In Düsseldorf herrscht Wechselstimmung – selbst bei den Menschen, die die SPD wählen. „Ich habe zwar die SPD gewählt, aber Frau Kraft geht gar nicht“, erzählt eine Lehrerin. Die CDU würde gewinnen, weil es dem Land einfach nicht gut gehe. Egal wen man fragt, Unmut herrscht bei allen. In den letzten sieben Jahren sei einfach nichts passiert, „aber egal ob SPD oder CDU. Das macht doch keinen Unterschied“, sagt ein junger Wähler resigniert. Das Land, jahrzehntelang wirtschaftlicher Treiber der Bundesrepublik, steht inzwischen wegen Schulden und Arbeitslosigkeit im Fokus.

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