NSU-Prozess
Angeklagter gibt Hinweis auf dritten Anschlag

Die mutmaßlichen Haupttäter im NSU-Prozess sollen dem Mit-Angeklagten gegenüber eine Andeutung über einen dritten Bombenanschlag gemacht haben. Die Bundesanwaltschaft will die neuen Hinweise prüfen. .

MünchenDie rechtsextreme Gruppe NSU hat möglicherweise einen dritten Bombenanschlag verübt. Der als Helfer des Trios angeklagte Carsten S. sagte am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München aus, die mutmaßlichen Mörder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten ihm gegenüber im Frühjahr 2000 eine entsprechende Andeutung gemacht. "Da haben die gesagt, dass die in Nürnberg in einem Laden eine Taschenlampe hingestellt haben", sagte S. unter Tränen.

Er habe dies als möglichen Sprengstoffanschlag gedeutet. Tatsächlich explodierte im Juni 1999 in einer Gaststätte in Nürnberg eine Bombe, die wie eine Taschenlampe aussah. Wie die "Nürnberger Nachrichten" damals berichteten, wurde bei der Explosion ein 18-Jähriger leicht verletzt. Die Pilsbar gehörte dem Bericht zufolge einem türkischstämmigen Wirt.

Einem Bericht von "stern.de" vom Dienstag zufolge wurde die Tat bisher nicht mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in Verbindung gebracht. In der Gerichtsverhandlung kam der Anschlag von 1999 nicht zur Sprache. Bundesanwalt Harald Diemer sagte nach der Sitzung, er werde den neuen Hinweisen nachgehen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll zügig festgestellt werden, ob der Anschlag in Nürnberg bereits bei den Ermittlungen zum NSU überprüft worden ist.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft begann die Serie von Morden und Bombenanschlägen erst im September 2000 mit der Erschießung eines türkischen Blumenhändlers in Nürnberg. Insgesamt wurden zehn Menschen überwiegend ausländischer Herkunft umgebracht. Bei zwei Bombenanschlägen in Köln, die der Gruppe zur Last gelegt werden, wurden zahlreiche Menschen verletzt.

Böhnhardt und Mundlos nahmen sich bei der Enttarnung der Gruppe im November 2011 das Leben. Hauptangeklagte in dem Prozess ist ihre Gefährtin Beate Zschäpe, die gleichermaßen für die Verbrechen verantwortlich sein soll. Sie hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos sollen den NSU laut Bundesanwaltschaft als terroristische Vereinigung gebildet haben.

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