Nürnberger Bundesanstalt startet Virtuellen Arbeitsmarkt
„Arbeitsagentur“ kämpft noch mit Hindernissen

Die Latte hat sich Florian Gerster selbst hoch gelegt: 600 000 offene Stellen, so kündigte der Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA) im Frühjahr an, sollten auf seinem neuen Virtuellen Arbeitsmarkt (VAM) zu finden sein. Ausgestattet mit komfortablen Funktionalitäten soll die neue elektronische Plattform als „größter Stellenmarkt Europas“ Arbeitgeber und Stellensuchende jeder Qualifikation beschleunigt zusammenführen.

DÜSSELDORF. Seit Montag ist das neue Angebot www.arbeitsagentur.de am Netz. Das Interesse war offenbar so groß, dass der Zentralcomputer zeitweilig wegen Überlastung versagte. Nicht zuletzt die jüngste Affäre um den Vertrag mit der Kommunikationsagentur WMP Eurocom dürfte der BA einige zusätzliche Aufmerksamkeit beschert haben – abgesehen davon, dass WMP ohnehin helfen sollte, das neue Projekt im Gedächtnis der Öffentlichkeit zu verankern.

Auch sonst läuft auf der neuen Arbeitsmarkt-Plattform indes noch nicht alles rund. Der erhofften Vermehrung der bisher 350 000 offenen Stellen auf der Webseite stehen hohe Hürden im Weg – vdarunter ein Streit mit den großen privaten Online-Stellenmärkten, die Gersters Plan eigentlich für den „VAM“ begeistern wollte. Sie sehen nicht ein, warum sie mit einer Plattform kooperieren sollen, die mit Beitragsgeld Dumping betreibe.

Allein die vier größten – Jobpilot, Stepstone, Jobscout24 und Monster – bringen bereits Monat für Monat 20 000 neue Stellenangebote ins Netz. Die BA bringt es zwar auf gut doppelt so viele. Gemessen an der Zahl der Online-Nutzer, ein Qualitätsmaßstab, liegen jedoch beide Seiten mit je zwei Millionen Nutzer pro Monat gleichauf.

Die erhofften Partner – neben den Jobbörsen auch die Zeitungsverleger – geben sich zickig. 22 Account-Manager schickte die Bundesanstalt los, um Kooperationen auszuhandeln. Das Ergebnis: Gerade einmal zwei Jobsbörsen – Jobs.de und Jobstairs – erklärten sich bereit, zum Start eine Schnittstelle von ihren Seiten zum „VAM“ zu legen.

Jobstairs ist eine nicht-kommerzielle Kooperation von 28 großen Arbeitgebern von Audi über Eon bis SAP. Für sie ist die Kooperation ihrer gemeinsamen Jobsite mit der BA ein preisgünstiger Weg, Bedarf an nichtakademischen Fachkräften zu decken. Die Herzen anderer privater Jobmärkte werden Gerster dagegen wohl auch knftig nicht zufliegen. Die großen Vier erwägen rechtliche Schritte gegen das Eindringen der BA in ihr Geschäftsfeld.

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