Nur eine Kooperation der Länder mit der Zentralregierung kann schnell aus der Misere führen
Bildung ist auch Bundessache

Zurücklehnen, die Bildungsmisere den Ländern überlassen und sich ganz der Forschung widmen - das wird sich auch die nächste Bundesbildungsministerin nicht erlauben können. Das wird auch die Union noch einsehen müssen, die bislang eisern und als einzige Partei darauf beharrt, dass Bildung ausschließlich Ländersachesei.

BERLIN. Nicht dass der Bund es per sé besser machen würde, mitnichten. Die Länder jedoch verteidigen ihre Pfründe Bildung mit dem Argument des ach so heilsamen föderalen Wettbewerbs. Tatsächlich kann der Normalbürger bislang aber etwa in der Schulpolitik einzig an den Pisa-Ergebnissen die Qualität der Schule bewerten. Selbst gegen dieses öffentliche Kräftemessen hatte sich die Mehrheit der Kultusminister anfangs heftig gewehrt. Ein Narr, wer darauf vertraut, sie würden nun freiwillig weitere sichtbar Messlatten aufstellen - schließlich müssen sie im Zweifel drunter durch laufen.

Eine Aufgabe der demokratisch kaum legitimierten Kungelrunde der Kultusminister ist es, ein Mindestmaß an Einheitlichkeit zu bewerkstelligen. Diese lässt aber zu wünschen übrig. Oder müssen sich mobile Eltern gefallen lassen, dass Grundschüler in einem Land ab der 1., anderswo ab der 3. Klasse Englisch lernen? Es gab einmal eine Zeit - es ist erst vier, fünf Jahre her - da herrschte durchaus konstruktive Harmonie zwischen Bildungspolitikern aus Bund und Ländern. Heraus kam etwa ein Programm zur Verbesserung des Mathe-Unterrichts, das der Bund kräftig mitfinanzierte, auf dass es sich auch arme Bundesländer leisten konnten. Heute sagen Experten, es war just dieses Programm, das maßgeblich zur Verbesserung unserer jüngsten Pisa-Note im Rechnen geführt hat. Die größte Chance, Defizite schnell und möglichst flächendeckend zu beheben, hat Deutschland, wenn Bund und Ländern sich zusammentun.

Ebenso in der Hochschulpolitik: Während die Länder noch an Gebührenmodellen basteln, treten Abiturienten schon den Rückzug an. Erstmals seit den 90ern wollen nach einer Umfrage des Hochschul-Informations GmbH-System wieder weniger ein Studium wagen - vor allem aus Angst vor den Kosten. Angesichts der international viel zu niedrigen deutschen Akademikerquote müssen die Alarmglocken läuten. Allein werden die Länder weder materiell noch psychologisch schnelle Abhilfe schaffen können. Der Bund muss parallel mit Bafög und KfW-Krediten für Sicherheit sorgen. Auch der überfällige Einstieg in eine nennenswerte Stipendienkultur kann allenfalls per nationalem Kraftakt gelingen.

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