OECD-Studie
Bildungssystem wird zum Standort-Hemmnis

Die OECD hat Deutschland einmal mehr für sein Bildungssystem abgewatscht: Zwar hätten Anstrengungen für eine Verbesserung erste Früchte getragen, der Vergleich zu anderen Industrienationen offenbare aber krasse Defizite.

HB BERLIN. In der Bundesrepublik fehle es nach wie vor an Abiturienten, Studenten und Akademikern, heißt es in dem am Dienstag in Berlin vorgelegten Bericht. Zugleich sei die Zahl der Studienabbrecher weiter zu hoch.

Deutschland konnte die Zahl der Studenten seit 1995 um gerade einmal fünf Prozent steigern. Dagegen legten die 29 anderen wichtigsten Industrienationen im Schnitt um 41 Prozent zu. Den Angaben zufolge fiel die Bundesrepublik damit vom 10. auf den 22. Platz. Weiter heißt es in der Erhebung, nur 21 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen im Alter von 15 Jahren strebten in Deutschland eine Ausbildung an einer Hochschule oder Universität an. OECD-Generalsekretär Angel Gurria sagte: „Diese Zahlen sind besorgniserregend.“ In Korea liege dieser Anteil bei 80 Prozent, der Durchschnitt der 30 OECD-Industrieländer immerhin noch über 50 Prozent.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnte vor steigendem Fachkräftemangel als Folge. „In den Ingenieurwissenschaften ist die Absolventenquote unter das Niveau der Bestandssicherung gefallen“, hieß es. In Zukunft könnten deshalb nicht alle frei werdenden Arbeitsplätze wieder besetzt werden. Noch schwieriger werde die Lage bei Hochqualifizierten.

Der OECD-Generalsekretär kritisierte die Struktur des deutschen Schulsystems, die einer Hochschulbildung nicht förderlich sei. „Bereits im Alter von zehn Jahren werden Schulkinder auf die verschiedenen Zweige des Schulsystems verteilt, wobei Kinder aus sozial benachteiligten Familien häufiger an Zweige verwiesen werden, in denen die Leistungserwartungen niedriger sind.“

Bildungsministerin Annette Schavan versprach als Konsequenz, gemeinsam mit den Bundesländern nach Strategien zu suchen, die Situation zu verbessern. „Mit dem heutigen Tag beginnt ein bildungspolitischer Herbst“, sagte die CDU-Politikerin. Obwohl die Studie auch Fortschritte dokumentiere, gebe es noch viel zu tun. Notwending sei, mehr Jugendliche zum Hochschulstudium zu bewegen und die Zahl der Abbrecher zu reduzieren.

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