Öffentlicher Dienst
Verdi droht mit neuen Streiks

Nach den jüngsten Warnstreiks droht im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes eine Eskalation. Vor der Fortsetzung der Tarifverhandlungen heute in Potsdam ließen weder Gewerkschaften noch Arbeitgeber die Bereitschaft erkennen, ihre gegensätzlichen Positionen zu verändern.

BERLIN. Verdi-Chef Frank Bsirske warf den Vertretern von Bund und Kommunen auf einer Protestkundgebung vor, sie legten es auf „täuschen, tricksen und tarnen“ an. Bei Streikaktionen lasse sich noch „einiges an Steigerung vorstellen“, warnte Bsirske.

Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) als Verhandlungsführer der Arbeitgeber äußerte zwar die „Hoffnung und Erwartung, dass man zu einer Einigung kommt“. Zugleich lehnte er es aber ab, in den heutigen Gesprächen ein neues Gehaltsangebot vorzulegen. Die Arbeitgeber hätten schließlich im Januar bereits ein Angebot vorgelegt, und dies halte man nach wie vor für fair, sagte Schäubles Sprecher. Die Gewerkschaften Verdi und DBB Tarifunion hatten dieses jedoch umgehend als „nicht verhandlungsfähig“ zurückgewiesen.

Das Angebot sieht vor, die Gehälter der insgesamt zwei Millionen Arbeitnehmer von Bund und Kommunen stufenweise über zwei Jahre um fünf Prozent anzuheben. Im Gegenzug fordern die Arbeitgeber eine Anhebung der Wochenarbeitszeit auf generell 40 Stunden. Das wären für die Beschäftigten der meisten westdeutschen Kommunen 1,5 Stunden mehr, für die Bundesbediensteten eine Stunde. In den Ost-Kommunen gilt schon heute die 40-Stunden-Woche.

Nach Lesart der Gewerkschaften würde das Angebot der Arbeitgeber unterm Strich sogar Einbußen für die Beschäftigten bedeuten, da die rechnerische Mehrbelastung durch die längere Arbeitszeit höher sei als die vorgeschlagene Tariferhöhung. Sie fordern stattdessen mindestens acht Prozent mehr Gehalt. Die unteren Tarifgruppen sollen nach ihrer Vorstellung generell um 200 Euro monatlich steigen, auch wenn acht Prozent dort eigentlich einen niedrigeren Betrag ausmachen würden. Unterm Strich summiert sich die Forderung daher laut Kommunen auf 9,75 Prozent.

Bis zum Wochenende hatten Verdi und DBB zehn Tage lang Beschäftigte aus fast allen Sparten des öffentlichen Dienstes zu jeweils befristeten Streiks mit wechselnden Schwerpunkten aufgerufen. Zum vorläufigen Abschluss der Serie hatten am Freitag mehrere zehntausend Bedienstete des Nahverkehrs die Arbeit niedergelegt. Daher blieben unter anderem in Frankfurt und Hannover Busse und Bahnen vorübergehend in den Depots. Zuletzt hatten sich die Tarifparteien vor zwei Wochen getroffen, ohne dabei eine Annäherung zu erreichen.

Seite 1:

Verdi droht mit neuen Streiks

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%