Öko-Investitionen
KfW-Kredite sind Motor für den Ausbau erneuerbarer Energien

Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf dreißig Prozent steigern. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind große Investitionen nötig. Darum setzt auch die staatliche Förderbank KfW auf den ökologischen Ausbau. Sie finanziert inzwischen drei von vier Ökostrom-Projekten.

BERLIN. Die KfW nimmt beim Ausbau der erneuerbaren Energien eine Schlüsselrolle ein. Die öffentlich-rechtliche Förderbank hat im vergangenen Jahr 78 Prozent des Zubaus an Stromerzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energien mit zinsgünstigen Darlehen gefördert. Insgesamt beliefen sich die Investitionen in erneuerbare Energien, die 2007 durch die verschiedenen KfW-Programme gefördert wurden, auf ein Volumen von fünf Mrd. Euro. Das ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), die dem Handelsblatt vorliegt. Damit erweist sich die KfW-Förderung als eines der wichtigsten Instrumente zur Umsetzung der klimapolitischen Ziele der Bundesregierung.

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Strom- und Wärmeerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie voranzutreiben. So soll der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch bis 2020 von derzeit rund 14 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden; der Anteil der Erneuerbaren am Wärmeverbrauch von momentan rund sechs Prozent soll auf 14 Prozent steigen. Ziel ist es, durch den Ausbau der Erneuerbaren die Kohlendioxidemissionen deutlich zu senken. Im Jahr 2020 sollen Öko-strom und -wärme die deutsche Kohlendioxidbilanz im Vergleich zu 2005 um jährlich 64 Mio. Tonnen erleichtern. Zur Einordnung: Industrie und Energiewirtschaft emittieren im Moment jährlich gut 450 Mio. Tonnen.

Allein die von der KfW im vergangenen Jahr geförderten Anlagen tragen mit einer Minderung von jährlich 4,6 Mio. Tonnen mit rund sieben Prozent zur Erreichung des 64-Mio.-Tonnen-Ziels bei. Allerdings sind die Kohlendioxideinsparungen ungleich verteilt. Rund 67 Prozent der CO2-Einsparung entfallen auf die Windenergie, nur 6,8 Prozent auf die Photolvoltaik.

Die von der KfW im vergangenen Jahr geförderten Anlagen ersparten nach Berechnungen der ZSW-Forscher Energieimporte im Wert von rund 250 Mio. Euro. Über die Gesamtlaufzeit der Anlagen von 20 Jahren summiert sich dieser Wert auf fünf Mrd. Euro. Auch die Arbeitsplatzeffekte sind beachtlich: Produktion und Bau der 2007 geförderten Anlagen lösten nach Angaben des Instituts eine Beschäftigung von 16 000 direkten und 27 000 indirekten Arbeitsplätzen aus. „Somit trägt die KfW-Förderung maßgeblich zum Jobmotor erneuerbare Energien bei und erweist sich als Innovationsprogramm für eine exportorientierte Wirtschaft. Hinzu kommen weitere Arbeitsplätze durch Betrieb und Wartung der Anlagen“, heißt es in der Studie. Laut ZSW profitiert insbesondere der Mittelstand: 71 Prozent der Arbeitsplätze entfallen auf kleinere und mittlere Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten, 33 Prozent auf Kleinunternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten.

Allerdings sind die Erfolge der Erneuerbaren teuer erkauft. So kritisiert etwa das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) seit geraumer Zeit die teilweise exorbitant hohen Kosten, die mit der Schaffung eines einzelnen Arbeitsplatzes im Erneuerbare-Energien-Sektor verbunden sind. Das gilt insbesondere für Solarstrom: Nach Berechnungen des RWI wird jeder einzelne Arbeitsplatz in der Photovoltaik-Branche mit 128 900 Euro subventioniert. Jede durch Solarstrom vermiedene Tonne Kohlendioxid müsse mit 900 Euro erkauft werden. Das RWI fordert daher eine drastische Kürzung der Einspeisevergütungen für Solarstrom. Die Einspeisevergütungen sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschrieben: Die Anlagenbetreiber erhalten für Ökostrom, den sie ins Netz einspeisen, Vergütungen, die zum Teil erheblich über den Marktpreisen für konventionell erzeugten Strom liegen. Die Zusatzkosten werden auf die Verbraucher umgelegt. Erst die EEG-Förderung macht die Investition in erneuerbare Energien wirtschaftlich interessant. Sie ist somit auch die Basis für die Kreditprogramme der KfW.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%