Ökonomen vs. Merkel
„Hilfspakete werden den Euro nicht retten“

Ein weiteres Mal hat die Kanzlerin eine grundsätzliche Position geräumt und ist nun doch bereit, den Schutzwall für die Euro-Zone aufzustocken. Das ist nicht ohne Risiken, warnen führende Ökonomen in Deutschland.
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BerlinDie vorübergehende Vergrößerung der Euro-Rettungsschirme stößt bei Ökonomen auf große Skepsis. „Letztlich wird die Währungsunion nicht durch Hilfspakete, sondern nur durch Reformen in den Peripherieländern gerettet“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, Handelsblatt Online. Hinzu komme, dass mehr Geld die Märkte immer nur kurzfristig beruhige. Mehr Geld entspanne auch die italienischen Abgeordneten. „Aber nur mit Angstschweiß auf der Stirn stimmen sie Montis Arbeitsmarktreformen zu, die die weitgehende Unkündbarkeit italienischer Angestellter beenden soll“, fügte Krämer hinzu.

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. „Es ist richtig, dass ein größerer Kreditmechanismus vor allem Spekulanten vor Angriffen auf den Euro schützen kann“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Trotzdem wird der Euro nicht über die Kreditmechanismen gerettet, sondern über erfolgreiche Reformmaßnahmen in Südeuropa.“ Das dürfe bei der Diskussion über die Überwindung der Euro-Krise nicht in den Hintergrund gedrängt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Montag dafür ausgesprochen, die Euro-Rettungshilfen aufzuweiten - auf zeitweise bis zu 700 Milliarden Euro. Der im Juli startende dauerhafte Rettungsschirm ESM und sein Vorgänger EFSF würden demnach bis Mitte 2013 parallel so aufgespannt, dass die finanzielle Schlagkraft nicht gemindert wird. An der ESM-Obergrenze von 500 Milliarden Euro soll nicht gerüttelt werden.

Die Haftung Deutschlands könnte damit - zumindest eine Zeitlang - über die bisherige Maximal-Bürgschaft von 211 Milliarden Euro klettern. In welchem Umfang, ist offen. Spekuliert wurde über einen vorübergehenden Garantie-Rahmen von bis zu 280 Milliarden Euro. Die Bundesregierung reagiert damit auf wachsenden Druck der USA und anderer Staaten sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

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  • Alles richtig, was hier geschrieben wird.
    Also Leute räumt Eure Bankkonten und kauft Gold und Silber - und sonst nichts!

  • @ berkmann: Danke für den Tipp :-) Habe soeben unterschrieben...

  • @karsten

    "Das wusste bereits ein Stammtisch im Vollsuff vor 10 Jahren "

    Ich befürchte, Sie waren damals anwesend ...

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