Ökostrom-Produktion
Der Sonnenstrom-Rekord kostet viel Geld

Zu Pfingsten wurde von Solaranlagen in Deutschland kurzzeitig so viel Strom produziert, wie in fast 20 Atomkraftwerken. Doch der Weltrekord hat seinen Preis. Es droht ein satter Aufschlag bei den Strompreisen.
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BerlinEingeklemmt unter seinem Arm trägt Boris Schucht einen brisanten Schatz spazieren. In der Aktenkladde hat der Chef des Netzbetreibers 50Hertz erste Schätzungen für die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr. Es ist eine Information, die für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Sprengstoff birgt - steht und fällt mit der Umlage doch die Akzeptanz der gesamten Energiewende.

Zwar will Schucht die Prognose nicht preisgeben, die bis zum 15. Oktober veröffentlicht werden muss. Je nach Ökostrom-Produktion kann sie sich noch nach oben oder unten verändern. Aber nach allem, was aus der Branche zu hören ist, droht eine böse Überraschung.

Schucht verwaltet mit den Chefs der anderen drei Betreiber von Stromautobahnen eines der wichtigsten Konten in Deutschland: Das Konto, über das die Förderzahlungen für Strom aus Sonne, Wind und Biomasse abgewickelt werden. Dreht das Konto zu stark ins Minus, droht im Bundestagswahljahr 2013 eine satte Strompreiserhöhung, weil der Milliarden-Fehlbetrag dann wieder reingeholt werden muss.

Gemäß des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zahlen die Bürger die Förderkosten per EEG-Umlage automatisch über ihren Strompreis mit. In diesem Jahr fallen pro Kilowattstunde (kWh) 3,59 Cent an, pro Jahr macht das pro Haushalt bei einem Verbrauch von 3500 kWh 125 Euro. Die Regierung hatte es sich vergangenes Jahr zum Ziel gesetzt, dass die Grenze von rund 3,5 Cent nicht überschritten werden soll. Als Norbert Röttgen noch Bundesumweltminister war, sagte er, es sei schon erstaunlich, wie sehr das Thema EEG-Umlage den Politikbetrieb bewege, viele Bürger aber mit dem Begriff kaum was anfangen könnten.

Doch das könnte sich nun ändern. „Es gibt Indizien, dass die neue Umlage bei 5 Cent je Kilowattstunde liegen dürfte“, sagt Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband. Das würde 50 Euro mehr pro Jahr bedeuten, hinzu könnten steigende Netzkosten kommen, auch weil die Anbindung der See-Windparks hakt und es dafür eine weitere Umlage geben soll.

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  • @ WolfgangPress
    Wenn es nur so wäre, dann würde wenigstens nur der Strom der tatsächlich produziert wird verkauft. Es ist aber noch seltsamer. Wenn Sie beispielsweise einen Mittelspannungsanschluss haben, zahlen Sie nicht nur für die entnommene Energie, sondern zusätzlich für die bereitgehaltene Leistung. Es ist demnach garnicht wichtig, wieviel Strom verkauft wird. Die installierte Kraftwerksleistung wird auch so abgerechnet. Ich kann deshalb das Gejammere, wer die neuen Kraftwerke bezahlen soll, nicht nachvollziehen. Die Kosten dafür werden auf jeden Fall erhoben. Ob sie Strom produzieren oder nicht ist zweitrangig.

  • Fakt ist doch, dass der erzeugte Strom den Erzeugern vergütet wird und nicht der verbrauchte. So ist es anscheinend politisch gewollt.

  • Mal noch eine Anmerkung zu unserem obersten Verbraucherschützer (Hr. Krawinkel). Das EEG-Konto ist per 30.04. mit fast 1,1 Mrd. Euro im Pluss!! Selbst wenn wir die restlichen Monate des Jahres Verhältnisse wie in der Sahara hätten oder es Module vom Himmel regnen würde, wäre es quasi unmöglich, dass das EEG-Konto Ende des Jahres mit 2 Mrd. Euro im Minus steht!! Aber Sachlichkeit im Zusammenhang mit der Photovoltaik war noch nie die Stärke dieses Blattes!

    Wenn die EEG-Umlage steigt, dann nur deshalb, weil die Regierung dafür sorgt und immer mehr Endnutzer von der Zahlung ausnimmt und diese weiter auf immer weniger Schultern verteilt! Es wäre deshalb logisch, für die Endverbraucher als Kompensation den niedrigeren Mehrwertsteuersatz einzuführen. Abder bekommen ja nur Hotelbesitzer. Insofern ist dann der Einwand von Hr. Krawinkel dann wieder richtig.

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