Ökostrom-Vorstoß
Gabriel stößt in den eigenen Reihen auf Kritik

Der Ökostrom-Vorstoß von Energieminister Gabriel stößt auf Widerstand. Für Schleswig-Holsteins SPD-Ministerpräsident Albig machen die Pläne die „Energiewende unnötig teuer“. Die Grünen sorgen sich um die Wirtschaft.
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BerlinAusgerechnet in der SPD gibt es kritische Stimmen zu den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel – ebenfalls SPD – die Förderung von Ökostrom zu kürzen. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert aus einem Positionspapier von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD), wonach die Pläne für einen Drosslung des Ausbaus der Windkraft an Land „volkswirtschaftlich unsinnig“ seien. Die Pläne machten die „Energiewende unnötig teuer“ und schafften „erhebliche Unsicherheiten“, schreibt Albig demnach.

Zuvor hatte Gabriel Eckpunkte für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes an die anderen Ressorts verschickt. Vorgesehen ist unter anderem, die Förderung für windstarke Standorte zu senken. Gabriel will, dass an Land pro Jahr nur noch Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2500 Megawatt pro Jahr neu ans Netz gehen, das sind etwa 1000 Windräder. Werden es mehr, gibt es automatische Förderkürzungen. Zusätzlich soll die Vergütung im windstarken Norden um bis zu 20 Prozent gekappt werden.

Nach Auffassung Albigs bremst Gabriel an der falschen Stelle. Schließlich sei der Ökostrom von Windrädern an Land besonders günstig, heißt es dem Zeitungsbericht zufolge in dem Positionspapier. Das Ziel müsse „eine Kostenreduktion, nicht Mengenreduzierung“ sein. „Daher sollte insbesondere Wind an Land ohne Deckelung weiter ausgebaut werden.“

Schleswig-Holstein profitiert bislang besonders vom Ausbau der Windkraft. Dem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge forderte Albig darüber hinaus einen Ausstiegsfahrplan für Kohlekraftwerke. „In einem bundesweiten Masterplan sollte – analog zum Fahrplan des Atomausstiegsgesetzes – dargestellt werden, wie zunächst Braun- und dann Steinkohlekapazitäten bis 2030 zurückgefahren werden“, heißt es in seinem Papier. Derzeit befänden sich noch erhebliche konventionelle Strommengen im Netz, die zu einem zeitweisen Überangebot führten.


Auch die Grünen machen gegen Gabriels Pläne mobil: Parteichefin Simone Peter sprach angesichts der Drosselungs- und Kürzungspläne von einem „Rasieren“ der erneuerbaren Energien, während Gabriel nichts gegen die hohe Kohleverstromung tue. Die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig, aber die Grünen könnten dazu beitragen, dass das Gesetz blockiert wird, und mit monatelangen Verhandlungen im Vermittlungsausschuss Änderungen erzwingen.

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  • 2004 wurden gerade mal 360 MWp installiert. Das ist 1 % der heute in Deutschland vorhandenen PV-Leistung. Der Preis pro kWp war ca. viermal so teuer wie heute; entsprechende war die Vergütung etwas viermal so hoch. Dass die Rendite in 2004 eine wesentlich höhere war als 2012, bezweifel ich.

    Die Kosten für die Anlage und die Vergütung sind immer schön im Gleichschritt gesunken. Eine auffällig günstige Zeit zum Kauf einer PV-Anlage war im 2. Halbjahr 2011. Wegen des Reaktorunfalls in Fukushima wurde auf die für den Sommer vorgesehene Kürzung der Vergütung verzichtet; die Kosten sanken aber deutlich weiter. Ansonsten war die Rendite für eine Photovoltaikanlage im Schnitt immer vergleichbar mit einer Staatsanleihe; also bei 3 - 4 % mit Reparaturkosten und wenn nichts kaputt geht vielleicht 1 oder 2% höher. Kein Grund zum Neid.

    Heute ist eine PV-Hausanlage (bis ca. 10 kWp) wieder interessant, wenn man gleich einen Speicher bestellt. Dann entspricht die „Vergütung“ den äquivalenten Kosten für den selbst genutzten Strom, den man ja dann nicht kaufen muss. Mit Speicher steigt der Eigenverbrauch auf etwa 70% des eigenen Stromverbrauchs.

  • Die Ökokapitalisten sehen so langsam ihre Felle davonschwimmen, wenn Gabriel das EEG noch richtig reformiert.
    Wichtig für uns Stromkunden wäre es, würde die neue Regierung die Laufzeit der hohen Vergütungen halbieren.
    Dann müssten die grünen Erzeuger ihren teuren Strom z.B. aus Anlagen des Baujahres 2004 eigenständig zu Marktpreisen verkaufen. Schaut Euch mal im Internet die Vergütungssätze des EEG von 2004 an. Es ist doch klar, dass die Leute ihre Goldesel auch hier im Forum verteidigen.

  • @ Sonnenschein
    „Die sind relativ preiswert und damit kann einerseits mehr Strom erzeugen, als im Jahr gebraucht wird...“

    Befassen Sie sich eingehend damit, wie ein Drehstromstrmnetz funktioniert, das scheinen Sie nicht zu wissen.

    „Damit muss schon einmal weniger Energie (in Wh) gespeichert werden.“

    Diese Speicher sind nicht vorhanden und auch nicht zu wirtschaftlichen Kosten realisierbar. Abgesehen davon werden Sie und Ihre grünen Freunde den Bau derartiger Speicher mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen.

    „...mittels power-to-gas-to-power – Verfahren ...“

    Auch dieser Traum scheitert an den technischen und physikalischen Gegebenheiten und nennt sich mangelhafter Wirkungsgrad. Ihnen ist vielleicht nicht bekannt, das Wandlung immer Verlust bedeutet.


    „Letztendlich ist es ein Optimierungsprozess, in dem an verschiedenen Schrauben gedreht wird, um technisch und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu finden.“

    Sie wissen nicht worüber Sie reden, träumen Sie weiter.

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