Organspenden
Krisentreff gegen den Skandal

Der Organspendeskandal könnte die ohnehin geringe Bereitschaft der Deutschen zur Organspende weiter sinken lassen. Deswegen sollen Konsequenzen gezogen werden. Am Montag ist ein Spitzentreffen bei Gesundheitsminister Bahr geplant. Der ist "stinksauer".
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BerlinVor dem Spitzentreffen zu Konsequenzen aus dem Organspendeskandal hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die Forderung nach schärferen Kontrollen bekräftigt. „Wir brauchen ein Mehr-Augen-Prinzip bei der Vergabe von Spender-Organen, damit noch eine unabhängige Person, die nicht Teil der Abläufe der Transplantation ist, alles prüft“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Samstag).

Diese Person solle unmittelbar der Klinikleitung unterstellt sein, damit auch diese direkt Verantwortung trage. Bahr forderte zudem, das Personal in den Prüfkommissionen aufzustocken, damit die „gesetzlich vorgesehenen unangemeldeten Prüfungen nun auch in den Krankenhäusern beginnen“.

Bei der Verteilung von Spenderorganen gibt es unterdessen nach einem Zeitungsbericht neue Auffälligkeiten: Neun von zehn Spenderherzen würden inzwischen an Patienten mit dem intransparenter geregelten Hochdringlichkeitsstatus vergeben, berichtete die „Frankfurter Rundschau“ (Samstag). Sie berief sich auf Zahlen der europäischen Organvermittlungsstelle Eurotransplant.

An diesem Montag trifft sich Bahr mit Ländervertretern und Organisationen des Gesundheitswesens. Dabei geht es um Konsequenzen aus dem Organspendeskandal an den Universitätskliniken Regensburg und Göttingen. Ein Oberarzt steht im Verdacht, zuerst in Regensburg und später in Göttingen Krankenakten gefälscht zu haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Der Anwalt des Hauptbeschuldigten wies alle Vorwürfe zurück.

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Krisentreff gegen den Skandal

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Bahr ist stinksauer

Kommentare zu " Organspenden: Krisentreff gegen den Skandal"

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  • Das Problem ist in der Tat, dass es viel zu wenige Organspender gibt. Und die derzeitige Transplantationsaffäre führt dazu, dass sich noch weniger Menschen zur Organspende bereit erklären.

    Über 45% der Deutschen zweifeln daran, sich selbst als Spender bereitzuerklären.

    Als ich in diesem Link

    http://medizin.pr-gateway.de/organspende-kein-verstandnis-fur-spenderverweigerung/

    davon erfuhr, war ich schokiert!

    Eigentlich müsse es so sein, dass jeder rechtfertigen müsse, der keinen Spenderausweis bei sich trägt!

    Schließlich können dadurch Leben gerettet werden!

  • Solange mit der Organtransplantation riesige Gewinne für die gesamte Medizinindustrie erzielt werden, wird es Mißbrauch geben - auf beiden Seiten, nicht nur bei der Vergabe sondern auch bei der Entanhme. Die FAZ hat dazu einen lesenswerten Beitrag veröffentlicht, wobei die Hinweise der Leserschaft zu Aussagen von Beerdigungsinstituten zu den "Opfern" von Organentnahmen besonders bemerkenswert sind.
    Zitat: Was zusätzlich noch zum Artikel festzuhalten ist, ist was Bestatter zu diesem Thema zu sagen haben. Sie haben nämlich festgestellt, dass die Gesichter explantierter Menschen bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind. Es sind keine Gesichter mehr, es sind schmerzverzerrte Fratzen, die man kaum noch zur Aufbahrung wieder herrichten kann. Wie ist so etwas möglich, wenn die Menschen doch angeblich so mausetot sind?
    Der ganze Artikel unter http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/organspende-hirntod-11860677.html#comments

  • Danke Margrit. Das alles ist aber nur durch überbordende Verwaltung möglich. Wie hieß es früher so schön? Viele Köche verderben den Brei. Und die Köche werden bundes- und europaweit immer mehr. Wenn ich jetzt noch die ausufernde Bezahlung dieser Figuren ins Feld führe, kommt wieder das Argument der Neiddebatte.

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