Panama Papers
Mit Placebo-Politik gegen Steueroasen

„Mit niedrigeren Steuern sinkt Interesse an Offshore-Geschäften“

Den deutschen Steuerbehörden entgehen nach Einschätzung der Deutschen Steuergewerkschaft durch Offshore-Firmen in Steueroasen rund zehn Milliarden Euro im Jahr. „Der Ausfall für den Fiskus durch Steuerhinterziehung und Steuerflucht summiert sich auf 50 Milliarden Euro im Jahr. Etwa ein Fünftel davon fällt auf den Bereich Offshore-Firmen“, sagte Gewerkschaftschef Thomas Eigenthaler der „Bild“-Zeitung.

Eigenthaler forderte die Bundesregierung angesichts der Enthüllungen über dubiose Finanzgeschäfte von Briefkastenfirmen in Panama auf, eine Liste mit „unsicheren Steuerstaaten“ zu erstellen. „Wer Geschäfte mit einer Firma in diesen Staaten macht, sollte dann so behandelt und besteuert werden, als ob das Geschäft in Deutschland stattfindet“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Das wäre ein wirkungsvoller Schritt, um Steuerflucht und Geldwäsche zu bekämpfen, fügte er hinzu.

Generelle Zweifel am Bestreben der Politik, Steueroasen auszutrocknen, äußerte der ehemalige Wirtschaftsweise Juergen B. Donges. „Soweit mittels Briefkastenfirmen gesetzwidrige Absichten, allen voran Steuerhinterziehung, verfolgt werden und solange es Länder gibt, die ein Steuerparadies sein wollen, gibt es für einen einzelnen Staat, also auch für Deutschland, kein wirksames Mittel dagegen“, sagte der Kölner Wirtschaftsprofessor dem Handelsblatt. Auf eine internationale Regelung der Offshore-Geschäfte zu drängen höre sich daher zwar gut an, sei aber „realitätsfremd“. „Also wird auch künftig der nationale Fiskus hinter stattfindenden Enthüllungen herhecheln.“

Für bemerkenswert hält es Donges in diesem Zusammenhang, dass die Frage nach den „Ursachen solcher Machenschaften“, nämlich die Steuerbelastung des Einzelnen, erst gar nicht gestellt werde. „Mit niedrigeren Einkommen-, Vermögen- und Erbschaftsteuern dürfte bei vielen das Interesse an Offshore-Geschäften deutlich sinken“, ist der Ökonom überzeugt.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
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