Papst besucht Deutschland
Warum Unternehmer Benedikt zuhören sollten

Auch die Wirtschaft wartet mit Spannung auf den Papst: In der Finanzkrise finden christliche Lehren wieder Gehör. Denn die Kirchen haben ihr Verhältnis zum Kapitalismus modernisiert. Ein Gastkommentar.
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BerlinDer deutsche Theologieprofessor Josef Ratzinger besucht als Papst Benedikt XVI. nicht nur seine katholische Heimat in Bayern, sondern mit Erfurt gewissermaßen auch das Kernland der Reformation und mit Berlin gewiss kein Kernland des Christentums. Nun ist es mit der alltäglichen Religiosität in Deutschland zwar nicht mehr weit her, aber immerhin werden in jüngster Zeit angesichts der Finanz- und Schuldenkrisen christliche Lehren in der Öffentlichkeit wieder mehr gehört.

Das Oberhaupt des römischen Kirchenstaats darf sogar im Deutschen Bundestag sprechen. Benedikt XVI. wird gewiss auch zur Wirtschaftskrise und zum gefährlichen Streben nach dem Mammon etwas sagen, was gehört werden wird.

Schaut man genauer hin, dann stellt man freilich fest, dass die christlichen Kirchen in Deutschland nicht auf Nachhilfeunterricht durch den römischen Bischof Benedikt XVI. angewiesen sind. Sowohl die katholische wie auch die evangelische Kirche haben in den letzten Jahren ihr Verhältnis zum Kapitalismus modernisiert: die EKD vor allem mit ihrer Denkschrift aus 2008 "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive" und die katholische Bischofskonferenz in diesem Sommer mit dem Impulstext "Chancengerechte Gesellschaft".

Diese Texte sind sich vom Grundansatz her ähnlich, und zwei der Hauptautoren haben demnächst die Gelegenheit, gemeinsam von Bayern aus Wirkung zu entfalten. Auf katholischer Seite ist es der Münchener Erzbischof Kardinal Marx. Auf evangelischer Seite wird der Bamberger Theologieprofessor Heinrich Bedford-Strohm demnächst als bayerischer Landesbischof tätig sein.

In ihren Texten sprechen sich evangelische wie katholische Autoren einerseits klar für freies Unternehmertum und eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung aus. Der katholische Impulstext betont immer wieder die positive Bedeutung von individueller Freiheit. Das ist in der Tradition der katholischen Soziallehre alles andere als selbstverständlich.

Und das Bekenntnis zum Unternehmertum ist auch nicht selbstverständlich angesichts der in großen Teilen inzwischen kapitalismuskritischen Basis der evangelischen Kirchengemeinden. Es wird sogar gesagt, dass Nachhaltigkeit - beide Texte sprechen von der Erhaltung der Schöpfung - nicht mit ökonomischer Stagnation verwechselt werden darf.

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Warum Unternehmer Benedikt zuhören sollten

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Auf Benedikts Rede dürfen wir gespannt sein

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  • "Die Quandts bedauern ihre Rolle in Nazi-Deutschland"!

    Und was meinen die christlichen Kirchen dazu? Mit einem einfachen mea culpa kommt mir die Kirche angesichts millionenfachen Todes nicht davon!

  • Offenbarungsbuch oder Buch Daniel, Kapitel 2, Verse 31-44 sagt hierzu einiges.

    Und zur Evolutionstheorie versus dem Schöpfungsbericht gibt es auch sehr viel, was éinem denkenden Menschen bei näherer Betrachtung und Beleuchtung klarer werden kann.

  • Fakt ist: Die Kirchen haben nichts mit dem Glauben an Gott und an Jesus Christus als seinen Sohn zu tun. Jesus Christus hatte ja in Jerusalem die Geldwechsler und Opfertierhändler wütend mit Peitschenhieben aus dem Haus seines Vater vertrieben und ihnen vorgeworfen, dass sie aus seines Vaters Haus eine Räuberhöhle machen. Jesus, der Sohn Gottes über den Gott bei seiner Taufe durch Johannes den Täufer sagte, er sei sein Sohn eingeborener, geliebter Sohn und "hört auf ihn", ist damals auf einem Eselfüllen in Jerusalem eingeritten.

    Die katholische Kirche ist inzwischen selbst ein Politikum geworden - wenn man bedenkt, dass Priester Soldaten gesegnet haben und vieles Weitere. Steht im Widerspruch zum Gebot Christi.

    Ich jedenfalls brauche keinen Papst, um an einen Schöpfer und an seinen Sohn Jesus Christus als unserem Herrn und Retter zu glauben. Auch ist es für mich unbegreiflich, wie sich ein Gottesdiener selbst verherrlichen und sich als "Heiliger Vater" anreden lassen kann. Denn selbst Jesus, der von seinem Vater entsprechend inthronisiert war, hat nicht Ehre für sich für seine wunderbaren Taten eingefordert sondern hat darauf hingeweisen, dass dem Schöpfer allein Ehre und Danksagung und Anbetung gebührt. Steht alles in der Heiligen Schrift. Nicht jene werden meine Jünger sein, die "Herr, Herr" sagen, sondern jene, die den Willen meines Vaters tun - und dieser Wille hat der Vater den Menschen durch seine heilige Schrit mitgeteilt. Die Katholische Kirche hat im finsteren Mittelalter dafür gesort, dass Gläubige keine Bibel besitzen dürfen und somit nichts von Gottes Willen erfahren können!

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