Papstrede im Bundestag
Eine Chance, keine Zumutung

Fast 100 Abgeordnete wollen die Rede von Papst Benedikt boykottieren. Damit geben sie nicht nur ein fragwürdiges demokratisches Vorbild ab, sie verschenken auch die Gelegenheit zu einem fruchtbaren Dialog. Ein Kommentar
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Was haben Richard Nixon, Jorge Semprún, Kofi Annan und Wladimir Putin gemeinsam? Sie alle haben schon vor dem Deutschen Bundestag eine Rede gehalten – so wie 28 weitere ausländische Staatsoberhäupter und Persönlichkeiten. Doch so umstritten die Ansichten einiger dieser Redner waren, um keinen Auftritt hat es einen so emotionalen Streit gegeben wie um die geplante Rede von Papst Benedikt XVI. im deutschen Parlament.

Fast könnte man meinen, ein Schwerverbrecher oder mindestens ein Diktator käme angereist, so vehement sind die Proteste einiger Parlamentarier. Obwohl der Papst von allen Fraktionen gemeinsam eingeladen wurde, wollen etwa 100 Abgeordnete der Rede fernbleiben – ein bisher einmaliger Vorgang im Deutschen Bundestag.

Offenbar haben einige Bundestagsabgeordnete eine merkwürdige Vorstellung von ihrer Rolle als gewählte Repräsentanten des deutschen Volkes. Statt im Reichstag zu sitzen und sich inhaltlich mit den Positionen des Oberhaupts von knapp 1,2 Milliarden katholischen Christen auseinanderzusetzen, spielen sie lieber außerparlamentarische Opposition und marschieren auf Anti-Papst-Demos durch Berlin.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es ist das Recht jedes Bürgers, anderer Meinung zu sein als der Papst, denn dafür gibt es durchaus gute Gründe. Und es hat auch in einer Demokratie zum Glück jeder das Recht, dafür auf die Straße zu gehen.

Die künstliche Aufgeregtheit vieler deutscher Politiker aber hat wohl mehr mit Populismus zu tun, als mit innerer Überzeugung. Kritik am Papst ist heute wohlfeil und bringt zielsicher Applaus. Doch wer den Papst als „unbelehrbar“ abstempelt, ihm selber aber nicht mal zuhört, gibt ein merkwürdiges Vorbild ab.

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Eine Chance, keine Zumutung

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Merkwürdige Doppelmoral einiger Politiker

Kommentare zu " Papstrede im Bundestag: Eine Chance, keine Zumutung"

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  • Totaler Schwachsinn!

    Ich bin nicht getauft, und habe auch zu keiner anderen Religion eine besondere Haltung. Aber ich respektiere jede Religion. Die Kirche representiert einen großen Teil der deutschen Bevölkerung und noch ein paar mehr auf der Welt. Wenn man die Chance hat in einem Dialog mit dem Papst zu kommen, dann sollte man die auch nutzen.
    Alles andere ist respektlos. Dies zeigt aber auch, dass einige Politiker eigentlich nicht an einem Dialog interessiert sind. Peinlich kann ich nur sagen.

  • Der Obermufti der Islamisten hat sich auch angemeldet

    für eine Rede vor dem Parlament .

  • Pöbelfritze, Realitäten liegen Ihnen nicht. Lesen Sie doch den Wachturm und nicht das HB.

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