Parteitag
FDP eröffnet Lager-Wahlkampf gegen Rot-Grün

Die „Stimme der Vernunft“ gegen die „brutalen Steuererhöher“ und „sozialistischen Zauberlehrlinge“: Die FDP hat auf dem Parteitag in Nürnberg Geschlossenheit demonstriert und geht auf Konfrontationskurs zu Rot-Grün.
  • 27

NürnbergMinutenlang hält Rainer Brüderle sportlich beide Daumen hoch. Der Rest der FDP-Führungsriege springt auf, umringt den bald 68-Jährigen. Sie klopfen ihrem Spitzenmann, der gerade seine Evergreens zum Besten gegeben hat, auf die Schulter. Brüderle aber kann gar keine Hände schütteln, weil ja die Daumen oben bleiben müssen. Schließlich wird er mit dieser Plakat-Pose bundesweit an die Litfaßsäulen geschlagen. So soll wohl auch der Letzte die Botschaft des Nürnberger Parteitags verstehen: Es geht aufwärts mit der FDP.

Wird ja auch Zeit. Denn diese Meinung teilen in den Umfragen derzeit nur etwa vier Prozent der Wähler. Die FDP tröstet sich, dass auch vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die Werte im Keller waren. Heraus kamen Resultate zwischen 8 und 10 Prozent. Der quälende Machtkampf ist entschieden, zugunsten von Parteichef Philipp Rösler. Der Vorsitzende führt, der Spitzenkandidat folgt. „Zwischen uns passt kein Blatt Papier“, muss Brüderle nun sagen. Man hat das auch anderswo schon gehört. Abgerechnet wird nach dem 22. September.

Die FDP hat sich auf einen harten Lager-Wahlkampf gegen SPD und Grüne eingeschworen und Geschlossenheit demonstriert. Die Delegierten verabschiedeten dazu auf dem Parteitag am Sonntag in Nürnberg das Wahlprogramm mit nur einer Gegenstimme. Mit der Konzentration auf Schuldenabbau und einem klaren Nein zu höheren Steuerbelastungen soll es einen Kontrast zu den Vorstellungen von SPD und Grünen bilden. Zudem stimmte der Parteitag einer vorsichtigen Öffnung für Mindestlöhne in einzelnen Branchen und Regionen zu. Er schloss sich damit der Position der Parteiführung an und ersparte dieser eine empfindliche Niederlage.

„Wir sind das Gegenmodell zu Rot-Grün: Die wollen gleiche Armut für alle. Wir wollen Wohlstand für alle“, sagte Spitzenkandidat Rainer Brüderle in einer kämpferischen Rede. Rot-Grün wolle die Bürger „im ökosozialistischen Gleichschritt“ marschieren lassen und vom Staat abhängig machen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bezeichnete er als „brutalen Steuererhöher“ und „sozialistischen Zauberlehrling“. „Wir wollen Steinbrücks böse Geister nicht“. Auch Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin wolle letztlich den Bürgern an die Gurgel. „Für mich ist er Graf Dracula für die deutsche Mitte“, polterte Brüderle.

Am Vortag hatte sich bereits Parteichef Philipp Rösler auf Rot-Grün eingeschossen. Die Grünen seien gegen Fortschritt, Wachstum und alles, was ihrem Weltbild nicht entspreche. Sie seien „altbacken“ und „miefig“ und keineswegs die neue Bürgerlichkeit. „Wenn überhaupt sind sie die neue Spießbürgerlichkeit.“ Trittin wiederum sei „nicht der Robin Hood für einige wenige, sondern er ist der böse Räuber Hotzenplotz für alle in Deutschland“. Der Grünen-Politiker konterte auf Twitter: „Danke Philipp Rösler. Besser der Räuber Hotzenplotz als der Dimpfelmoser der Wutreichen.“

Seite 1:

FDP eröffnet Lager-Wahlkampf gegen Rot-Grün

Seite 2:

AfD könnte Schwarz-Gelb den Wahlsieg kosten

Kommentare zu " Parteitag: FDP eröffnet Lager-Wahlkampf gegen Rot-Grün"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Da braucht man nun wahrlich nicht viele Worte …



    ++++Zustand Deutschland 2013++++



    Wer hat´s verbrochen …


    Deshalb CDU SPD GRÜNE FDP CSU LINKE stoppen!
    Niemand ist unschuldig!
    Zur Rechenschaft ziehen, genau so erbarmungslos, wie sie Deutschland ruiniert haben!

    Es sollte sich doch wirklich jeder zur Wahlurne schleppen, der noch ein bisschen Verstand hat, um die AfD zu wählen!
    Endlich die gefährlichen Irren von CDU SPD GRÜNE FDP CSU LINKE ausschalten.

  • Hallo Sklave,
    das wusste ich schon lange, dass die Grünen eine zutiefst autoritäre Vereinigung sind. Ähnlich den Jakobinern während der französischen Revolution. Angetreten unter Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, wurde daraus die Herrschaft des Terrors gegen Anderstdenkende. "Wer zittert ist schuldig!"
    Aber ob gerade Brüderle, Rösler & Co diese Urdeutsche Unart des Befehls- und Verbotsempfängers verhindern können, wage ich zu bezweifeln. Ich jedenfalls werde diesem kranken Land bald den Rücken kehren.

  • Wer braucht diese korrupte Versagertruppe eigentlich? Aber wir Deutsche sind derart verblödet, dass sich im September wieder 5 % Idioten zusammenfinden und dieser Lobby-Partei den Einzug in den Bundestag und damit an die sprudelden Quellen unserer Steuergelder sichert. Aber das Land ist eh am Arsch, kaputtgewirtschaftet von Kriminellen aller Fraktionen, da beschleunigt das letzte Aufgebot der FDP eher noch den Untergang.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%