Pegida, Dügida & Hogesa
Die unerwünschten „Retter des Abendlandes“

Unter dem Deckmantel der Überparteilichkeit gehen in Deutschland tausende Menschen auf die Straße. Was sie tatsächlich motiviert: Ihre Angst vor dem Islam. Ein Besuch in Düsseldorf zeigt: Da braut sich etwas zusammen.
  • 95

DüsseldorfZitternd und ziemlich durchnässt stehen die Demonstranten in der Dunkelheit vor dem Düsseldorfer Landtag. Vier Grad sind es gerade einmal, der stetige Regen hat aus dem Rasen zu ihren Füßen längst eine matschige Pampe gemacht. Das hält rund 500 selbsternannte Retter des Abendlands aber nicht ab, ihre Deutschland-Fahnen zu schwenken, immer wieder rufen sie „Wir sind das Volk“. Die Dresdner Bewegung Pegida hat mit Düsseldorf nun auch die erste westdeutsche Stadt erreicht, der Ableger nennt sich Dügida, „Düsseldorfer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Ein Besuch vor Ort zeigt: Da braut sich was zusammen.

Rund 500 Demonstranten sind gekommen, eine Enttäuschung für die Veranstalter - die waren von 2000 ausgegangen. Willkommen ist Dügida in Düsseldorf nicht, in allen Fenstern des Landtags klebt dasselbe Plakat mit der Aufschrift: „Wir sind alle NRW“. Daneben die Symbole des Islam, des Juden- und des Christentums. Man ist vorbereitet auf einen ungebetenen Gast. Doch wer genau ist Pegida oder Dügida, wie sie sich in Düsseldorf nennen, überhaupt?

Seit Mitte Oktober ziehen die „patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz Pegida, in Dresden jeden Montagabend durch die Stadt. Mittlerweile gibt es in vielen deutschen Städten Proteste, beispielsweise in Würzburg. Zu Beginn war es noch eine Mini-Demonstration mit wenigen hundert Teilnehmen, doch Pegida bekommt immer mehr Zulauf, zuletzt zählte die Polizei rund 10.000 Teilnehmer. Das Bündnis präsentiert sich als bürgerliche Bewegung, die gegen „islamischen Extremismus“ auf die Straße geht. Dabei soll das „christliche Menschenbild“ in Deutschland verteidigt, „islamistische Glaubenskriege auf deutschen Straßen“ verhindert werden. Das ist die niedrigschwellige Botschaft, die immer mehr Leute anzieht.

Auf die Politik wird geschimpft, die nicht handlungsfähig sei. Die Politikverdrossenen des Landes, die Enttäuschten und Verbitterten, werden so reihenweise eingesammelt. In Dresden ist das Publikum an jedem Montag bunt durchmischt. Wie klassische Nazis sehen die Demonstranten nicht aus, hier ziehen junge Männer und Frauen, Rentner und sogar Familien gemeinsam durch die Stadt. Die eigentlichen Stützen des christlichen Abendlandes, die Kirchen, wollen sich übrigens gar nicht von Pegida retten lassen. Vertreter nennen die Aktivitäten des Bündnisses „religiös verbrämten Rassismus“.

Während in Dresden keine Partei oder sonstige Organisation hinter den „Spaziergängen“ steht, wie sie von den Machern genannt werden, gehört mit Alexander Heumann in Düsseldorf ein AfD-Vertreter zu den Co-Organisatoren. Heumann ist Teil der „Patriotischen Plattform“, einer Gruppe des äußerst rechten Flügels der Alternative für Deutschland. Der Anwalt war sogar der Star des Abends, seine Rede der Hauptprogrammpunkt. Die war bereits für den Auftakt geplant – doch Heumann stand im Stau. Also zog die Menge früher als geplant einmal um den Rheinturm. Dann hielt Heumann doch noch seine Rede, und in der langte er ordentlich hin: „Warum werden 145.000 rechtskräftig abgewiesene Asylbewerber nicht konsequenter abgeschoben? Wir können nicht das Sozialamt für alle Wirtschaftsflüchtlinge dieser Welt sein!“.

Seite 1:

Die unerwünschten „Retter des Abendlandes“

Seite 2:

„Die gehören nicht zu uns!“

Seite 3:

„Schüren dumpfer Ängste“

Kommentare zu " Pegida, Dügida & Hogesa: Die unerwünschten „Retter des Abendlandes“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine Frage am Rande...Warum wird nicht berichtet, dass eine ehemalige ZDF Reporterin auf den Demonstrationen der Ho Ge Sa, oder Dü Ge Sa bekannt gibt, dass sie von ihren Vorgesetzen und Kollegen zum Lügen aufgefordert wurde? Natürlich wird das verschwiegen.. wie fast alles, was dem ahnungslosen Bürger zum Denken anregen würde.

  • Früher wie auch heute hat Voltaire Recht...

    "Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."

    Auch ein Zitat von Voltaire, was sehr wünschenswert in dieser Zeit wäre...

    "Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen."

  • Herr Kroll, dann denken SIE jetzt mal den Gedanken weiter, den der BWL-Student angestoßen hat, den Sie aber offenbar nicht verstanden haben: auch Ende der 20er/Anfang der 30er wurde Politik für andere Staaten und Interessen gegen das eigene Volk gemacht. An die Macht kam letztlich Hitler - mit all den schlimmen Folgen, die diese 12 Jahre für ganz Europa, nicht zuletzt auch für uns Deutsche hatte.
    Auch jetzt wird wieder verschärft über das Volk hinwegregiert zu Nutz und Frommen fremder Mächte, ob nun USA oder EU-Diktatur, und nun kommen SIE! Wie also könnte die Geschichte weitergehen, wenn über des Volkes Willen (vulgo als "Stammtisch" verunglimpft" weiterhin hinweg entschieden wird, es vielleicht zu einem Platzen der Dollarblase mit Auswirkungen kommt, bei denen die Weltwirtschaftskrise von 1929 wie ein Kindergeburtstag aussehen wird? Noch sehen wir keine ähnlich charismatische Figur an der Spitze eine nationalradikalen Partei, die einen Hitler 2.0 geben könnte - aber den A.H. hat man am Anfang auch nicht für voll genommen. Bedenke: "Eine Idee wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift!" In diesem Sinne - viel Spaß beim Gehirntraining, Herr Kroll!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%