Pegida und Dresden
Die Hauptstadt der Islamkritiker

In den meisten Städten mobilisiert die islamkritische Pegida nur ein Häuflein Demonstranten. In Dresden aber waren es zuletzt 18.000 – und heute, nach dem Pariser Terror, werden es vielleicht noch mehr. Warum Dresden?
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DresdenDrei Monate nach der ersten Pegida-Demo in Dresden wächst die Kundgebung noch immer von Montag zu Montag. Für heute rechnen die Organisatoren der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands“ mit einer weiteren deutlichen Steigerung. Die Polizei geht intern von deutlich mehr als 20.000 aus – 18.000 waren es das letzte Mal. Jetzt, nach den islamistisch motivierten Anschlägen von Paris, könnte die Zahl noch anwachsen. Obwohl nun auch in Leipzig erstmals „Legida“  demonstrieren will.

Während in Bayern oder Nordrhein-Westfalen kaum mehr als ein paar Hundert Menschen gegen „Glaubens-“ und „Stellvertreterkriege“ auf deutschem Boden auf die Straße gehen, sind es in Dresden regelmäßig Tausende. Der Hausmeister läuft neben dem Handwerksmeister, der Arbeitslose neben dem Rentner, auffällig viele Männer Anfang 30. Sogar Polizisten sind darunter und mancher Jurist.

Beobachtungen von der letzten Pegida-Demonstration: Eine Frau Mitte 50 fürchtet, es werde wohl bald eine Moschee in Dresden errichtet. „Ich gehe an Weihnachten nicht in eine Moschee.“ Ein Polizist sagt, es tue gut, einmal den „Frust ’rauszulassen“. Seine Tageszeitung habe er gekündigt, weil ihm nicht passte, wie die über Pegida berichtet. Probleme würden nicht mehr beim Namen genannt. Junge Männer aus Nordafrika seien alle kriminell, sagt er.

Die asylkritischen Demos sind in. Viele Pegida-Teilnehmer nehmen weite Anfahrtswege in Kauf, um dabei sein zu können. Wieder zu Hause berichten sie euphorisch, wie bewegend es für sie sei, nach Jahren wieder politisch tätig zu sein. „Danke Dresden, wir kommen wieder“, posten sie auf Facebook.

Aber warum Dresden? Ist die Furch vor dem Islam ein ostdeutsches Problem? Der Westen Deutschlands habe eine längere Zuwanderungsgeschichte, sagte der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt im Interview mit der „Sächsischen Zeitung“. In der DDR seien Ausländer meist abseits untergebracht worden, „ohne Chance auf ein Vertrautheit stiftendes Zusammenleben“. Dazu kommt, so Patzelt: Viele Menschen hätten den Eindruck, sie würden in der Zuwanderungsdebatte vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gebe auch „keine öffentliche Debatte, wie viele Migranten unser Land aufnehmen kann oder soll. Also kommt vielen unsere Demokratie wie eine hohle Fassade“. Die Folge sei: „Man misstraut dem Staat, wählt Protestparteien und neigt zum Radikalismus.“

In der sächsischen Landeshauptstadt hat alles angefangen. Zuerst liefen am 20. Oktober etwa 350 Menschen durch die Innenstadt. Sie behaupteten schon damals „Wir sind das Volk!“ und bedienten sich der Begriffe der friedlichen Revolution. Gesprochen wurde nicht viel beim Marsch zur Frauenkirche. Auffällig waren die mehr als 50 Fußball-Hooligans von Dynamo Dresden mit tätowierten Beinen sowie stadtbekannte Rechtsextreme, die zwischen Rentnerpaaren in Abendrobe marschierten. Ein skurriles Bild.

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  • Zum Thema Islam in Deutschland kann ich nur feststellen, dass wir noch nicht an dem NoReturn Point angekommen sind. Wer studieren möchte wie es sich in der Nähe dieses Punktes lebt sollte mal die Verhältnisse in Frankreich oder England studieren. Sich sind das Ex-Kolonialmächte mit noch ganz anderen Problemen als D, aber ich wünsche mir, dass auch in 10 oder 15 Jahren bei uns solche katastrophalen Zustände nicht Wirklichkeit geworden sind. Dann würden wir mit Recht von unseren Kindern und Enkelkindern gefragt werden, wie wir es dazu kommen lassen konnten.

    Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem in Schulen und Kindergärten es aus religösen Gründen kein Schweinefleisch mehr gibt, die Kinder in der Schule den Lehrerinnen die Hand zum Gruß nicht geben, sondern ihnen ankündigen, ...ich fi.ke dich wenn ich groß bin. Auch soll mein Enkelkind noch das Schwimmen im Kindergarten lernen und nicht unter dem Schutz eines Sicherheitsdienstes in der Pause auf den Hof gehen müssen. Ich möchte, dass den Kindern in der Schule gelernt wird, wie man selbstständig denkt und nicht wie man nach den Regeln einer Religion leben muss. Die Gewalt soll allein vom Staat ausgehen und nicht von Schariarichtern, Friedensrichtern oder der Schariapolizei. Ich möchte in keinem Land leben, in dem Journalisten um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie Mohammedkarikaturen oder Papstkarikaturen zeichnen oder wenn Zeitungen mit der Schere im Kopf die Meinungsäußerungen "glätten" und "vereinheitlichen" oder Frauen die ganzkörperverschleiert in der Stadt umherlaufen, sich aus religösen Gründen damit abfinden müssen, dass sie ausschließlich im Haschema zum baden gehen dürfen.

    Wer mal in Südfrankreich unterwegs war, nicht in Cannes oder Nizza, sondern in Marseille, Alés oder Nímes, der weiß was uns bevorsteht, wenn wir hier bei uns nicht die richtigen Weichen, zur rechten Zeit, in die richtige Richtung stellen.

  • Mich stimmt wirklich nachdenklich, wie vielen Menschen die Medien und Politiker mit ihrer unseriösen Stimmungsmache den Kopf zum selber denken vernebeln konnten.
    Von den Linksautonomen und Linksradikalen Leuten in Leipzig oder Dresden ist nichts anderes zu erwarten gewesen. Aber den vernünftigen müsste doch auch auffallen, dass ihnen schon wieder das Denken abgenommen wird und das selbstständige Hinterfragen abgesprochen wird. Da wird darüber fabuliert, dass die Initiatoren dieser Pegida Kundgebungen eine kriminelle Vorgeschichte haben. Das mag vielleicht stimmen. Aber sollten diese Menschen das vorgeworfen bekommen von Leuten wie Chem Özdemir (Flugmeilen, Krditaffäre), Wolfgang Schäuble (Parteispendenaffäre) und anderen juristisch vorbelasteten Politikern der Grünen (Kindersex, steinewerfender Aussenminister) oder anderen Vorbestraften der Parteien.

    Ich würde mir wünschen, dass alle diejenigen, die sich so sehr über die Pegida Teilnehmer aufregen und beschweren, die 19 Thesenpunkte mal lesen und dann ganz in Ruhe, zu Hause, ganz allein auf dem Sofa und ohne dem Zwang sich dem Mainstream anschließen zu müssen oder dem Vorwurf auszusetzen, man sei ein Nazi, darüber mal nach denken würden. Am letzten Wochenende hat die Leipziger LVZ diese 19 Punkte, zusammen mit einigen Leserbriefen ProPegida veröffentlicht. Ich war wirklich überrascht, dass es eine Zeitung gewagt hat, diese Dinge zu veröffentlichen.

    Zu dem Nazi Vorwurf nur soviel - fällt denn niemanden auf, dass hier die gleiche Systematik Platz greift, welche Putin von unseren Politikern vorgeworfen wird. In Russland wird ebenfalls erzählt, dass in der Ukraine in Kiew die Nazis einen Umsturz organisiert haben und aus diesem Grund die Krim und die Ostukraine "gerettet" werden muss.
    Sicher werden dort in Dresden auch NPDler und andere Rechtsradikale dabei sein. Aber es wird wohl nicht so sein, dass den 300 oder 400 Rechtsradikalen die ca. 25000 Pegida Teilnehmer hinterher laufen.

  • Das Probem bei den Eroberern anderer Kontinente ist, dass gerade Ungläubige, heute würde man sagen "Atheisten" es waren, die sich zu Hause oft wegen ihrer Verbrechen nicht mehr halten konnten, oft in Überzahl auf die Seereisen machten, um endlich ihre Gier nach Macht und Geld zu befriedigen.
    Wenn ich denke, dass in Mexiko noch heute im Präsidialgebäude Zeichnungen von Indianern sind, die vor den Erberern zu den wenigen auch bereits vorhandenen Orden oder Geistlichen zum Lebensschutz geflohen sind. Das selbe gilt sowohl in Argentinien, Südchile usw.. Pazfik: Aussagen von Einheimischen in vielen Inseln. Wir mussten vor den verbrecherischen Eroberen zu den Missionaren fliehen, um uns zu retten. Einige Kommentare:Christentun nur Gewalt! So verbreiten die Atheisten bzw. Freimaurer noch heute ihre Lügen.
    Oder will mir jemand weißmachen, dass die Mörder oder Vielfachmörder, die heute in den Gefängnissen sitzen aus christlichen Motiven gehandelt haben?



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