Pensionsansprüche
Rentenpakete machen US-Managern Freude

Sparprogramme, Massenentlassungen, Aktieneinbrüche - die Wirtschaftskrise hat Amerikas Angestellte und Anleger gleichermaßen getroffen. Nur die amerikanischen Topmanager merken bisher wenig von einer Krise. Ihre Pensionsansprüch sind laut einer Untersuchung des Wall Street Journals sogar kräftig gestiegen.
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NEW YORK. Die Rentenpakete von amerikanischen Topmanagern sind im vergangenen Jahr um durchschnittlich 19 Prozent gestiegen – trotz Wirtschaftskrise und damit verbundenen Sparprogrammen und Massenentlassungen. Das ergab eine Untersuchung des Analysehauses Capital IQ, die vom „Wall Street Journal“ in Auftrag gegeben wurde. Untersucht wurden Pensionspläne von 340 Unternehmen aus dem Aktienindex S&P 500 über den Zeitraum 2007 und 2008.

Bei 200 Vorständen haben sich der Studie zufolge die Ansprüche gar verdoppelt. Die Aktienkurse der untersuchten Unternehmen sind im vergangenen Jahr dagegen um 37 Prozent eingebrochen. Viele Konzerne haben in der Krise ihre Zuzahlungen zu den Rentenplänen ihrer Mitarbeiter auf niedrigeren Ebenen gestoppt.

Die millionenschweren Rentenpakete haben bislang in der Diskussion um die Bezahlung von Topmanagern keine große Rolle gespielt. Das könnte sich jedoch bald ändern. „Die Pensionspläne für Führungskräfte werden nach Boni, Grundgehalt und Aktienpaketen nun das nächste große Thema sein“, sagt Daniel Moynihan vom Beratungshaus Compensation Resources. Erste Spekulationen kamen bereits bei Ken Lewis, dem Chef der Bank of America auf. Medienberichten zufolge könnte er von der US-Regierung dazu gedrängt werden, auf Teile seines rund 50 Mio. Dollar umfassenden Pensionsgelder zu verzichten. Das Institut musste in der Finanzkrise mit insgesamt 45 Mrd. Dollar an Steuerzahlergeldern gestützt werden.

Das Rechenmodell für diese Pakete wird häufig für jeden Vorstand individuell festgelegt. Grundsätzlich werden aber die Jahre, die ein Manager im Unternehmen verbracht hat, miteingerechnet, ebenso wie das Grundgehalt und manchmal auch die Bonuszahlungen. Der Ölkonzern Exxon Mobil etwa bezieht in einem Modell die drei höchsten Boni aus den vergangenen fünf Jahren ein, bevor ein Manager in den Ruhestand geht. Der vier Mio. Dollar hohe Bonus des Exxon-Chefs Rex Tillerson hat im vergangenen Jahr auch dazu geführt, dass der Wert seines Rentenplans von 23 auf 31 Mio. Dollar ansteigt.

„Da sich künftig das Verhältnis von Grundgehalt zu Boni in vielen Unternehmen verändern wird, müssen auch die Rechenmodelle für die Rentenpakete angeschaut werden“, sagt Moynihan. US-Präsident Barack Obama gibt dem auf kurzfristige Erfolge ausgelegten Anreizsystem mit einem relativ geringen Grundgehalt und hohen Erfolgsprämien mit Schuld an der Finanzkrise und fordert seit Monaten eine grundlegende Reform. Sein Berater in Sachen Gehälter Ken Feinberg untersucht derzeit die Bezahlung von Unternehmen, die in der Finanzkrise besonders hohe Staatshilfen in Anspruch nahmen.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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