Piraten-Fraktionschef Lauer
„Twitter ist für mich gestorben“

Während die einen Politiker den Kurznachrichtendienst „Twitter“ gerade erst entdecken, will Pirat Christopher Lauer nichts mehr davon wissen. Der Grund: zu wenig Reichweite, zu viel Stress.
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BerlinAusgerechnet ein Pirat hat keine Lust mehr auf „Twitter“ – dabei sind Soziale Netzwerke gerade bei den Mitgliedern der Partei beliebte Kommunikationsmittel. Und nicht immer geht es dabei nur nett zu.

Doch Christopher Lauer, der Vorsitzende der Berliner Piraten-Fraktion, hat keine Lust mehr auf Twitter. „Für mich ist Twitter gestorben“, sagt er. Der Grund: zu uneffektiv, zu aufwendig, zu stressig. Kurz: Twitter bringe nichts und koste zu viel Zeit und Nerven, schreibt er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Denn obwohl ihm 22 500 Menschen per Twitter folgen, seine Links würden im Schnitt nur 500 Mal geklickt. Mit der Reichweite einer Regionalen Tageszeitung, die bei 350 000 Stück liege, könne man das gar nicht vergleichen.

Und dann ist da ja noch der Grund, weshalb Lauer überhaupt zwitschert: „Insbesondere twittere ich, weil es auch viele Journalisten tun.“ Doch das Gefühl, ewig erreichbar zu sein und Tweets dabei „einzig und allein Kalorien für die mediale Fressmaschine“ und der „Gral des Verlautbarungsjournalismus“ seien – das lässt ihn die Vorteile der Online-Kommunikation nicht mehr erkennen. Ebenso wie der Ton vieler Nachrichten.

Dabei sind es auch die Piraten, die leidenschaftlich gerne im Internet, auch öffentlich auf Twitter, streiten. Soziale Medien gehören sozusagen zum Profil der Partei. Spitzenkräfte sehen sich so teilweise harten Anfeindungen ausgesetzt. Tatsächlich sind die Piraten Meister darin, im Netz heftige Diskussionen loszutreten, die in „Shitstorms“ ausarten. Dabei ersetzen wüste Beschimpfungen schnell die inhaltliche Auseinandersetzung.

Doch Lauer stellt auch die Frage nach dem Inhalt des Gezwitschers: „Ist es ein Wert, unbedarft jeden Gedanken, der vermeintlich in 140 Zeichen passt, in die Welt zu blasen? Soll jeder immer alles kommunizieren?“ Die Frage beantwortet er für sich mit „Nein“.

Das Netz reagiert jedenfalls eher belustigt – natürlich via Twitter.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Piraten-Fraktionschef Lauer: „Twitter ist für mich gestorben“"

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  • Wie süß - ein Jugendlicher wird erwachsen. Und alle dürfen zuschauen

  • Die Piraten... Oder was übrig bleibt wenn man sich von einem Shitstorm die warme Luft wegdenkt.

  • Ob er Angst vom Überwachungsstaat hat?
    Beklemmend. Ein gerade online gestelltes Kurzvideo macht dramatisch darauf aufmerksam, dass wir unsere Freiheit verlieren. Das coole – die Warnung kommt von einem EU-Insider…. http://goo.gl/vMV79

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