Plagiatsaffäre
Juristen unterstellen Guttenberg Vorsatz

Es wird enger für Verteidigungsminister zu Guttenberg. Einem Magazinbericht zufolge erkennen Juristen seinem Plagiat Absicht. An der Uni Bayreuth kursiert die Bezeichnung Betrüger - und in der CDU das Wort Rücktritt.
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Berlin/MünchenPlagiat ja, aber auch Vorsatz? Juristen attestieren Minister zu Guttenberg Absicht.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit nach Einschätzung von Juristen aus Vorsatz gehandelt. Wie der „Spiegel“ am Samstag vorab berichtete, sehen mehrere namhafte Juristen die Beweise als erdrückend an. Der auf Streitereien um Examensarbeiten spezialisierte Rechtsanwalt Michael Hofferbert sagte dem Magazin: „Kein Richter wird einem Kandidaten glauben, der über hundert Seiten seiner Doktorarbeit abschreibt und hinterher behauptet, er habe dies versehentlich getan.“

Ähnlich bewerte der Kölner Strafrechtsprofessor Thomas Weigend den Fall. „Ich würde einem Kandidaten nicht glauben, der in einem Fall behauptet, dass es bloße Fahrlässigkeit war.“ Der frühere Verfassungsrichter Winfried Hassemer sagte, selbst wenn der faktische Beweis nicht vorliege, seien Juristen gut darin geübt, „den Vorsatz aus den äußeren Umständen einer Tat zu schließen“.

Guttenberg hat sich bisher stets gegen den Vorwurf des Vorsatzes verwahrt und lediglich „gravierende handwerkliche Fehler“ eingeräumt. Vor diesem Hintergrund hat ihm die Universität Bayreuth den akademischen Titel wieder entzogen.

Derweil hat der Nachfolger des Doktorvaters von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat mit seiner scharfen Kritik in der Plagiatsaffäre nachgelegt. „Der Minister leidet unter Realitätsverlust“, sagte der Bayreuther Staatsrechtsprofessor Oliver Lepsius der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir sind einem Betrüger aufgesessen. Es ist eine Dreistigkeit ohnegleichen, wie er honorige Personen der Universität hintergangen hat.“ Der Verteidigungsminister habe „planmäßig und systematisch“ wissenschaftliche Quellen zum Plagiat zusammengetragen und behaupte nicht zu wissen, was er tue. „Hier liegt die politische Dimension des Skandals.“

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  • @Zeitzeuge

    Hier wird eine Jugendsünde, ausgegraben mit Stasimethoden, dazu benutzt um einen Menschen zu vernichten. Guttenbergs jetzige Tätigkeit hat nichts mit dieser Doktorarbeit zu tun. Also muss er auch nicht als Verteidigungsminister zurücktreten.

    Abgesehen davon, spielen sie hier doch nicht den Heiligen, der Bundestag wäre leer, wenn jeder, der mal was falsch gemacht hat, dafür zurücktreten müsste. Man muss nur zurücktreten, wenn man im Amt Fehler gemacht hat.

    Man hatte Guttenberg schon immer im Visier! Deshalb glaubt das Volk auch nicht, die zur Schau gestellte moralische Entrüstung! Schlimmer noch, das Volk empfindet die künstliche moralische Entrüstung der Linken (die sich teilweise ein konservatives Kleid anziehen) als widerlich!

  • Was wirklich lustig ist, ist die Tatsache, dass durch diesen Skandal die Alt68er Moral und Werte auf einmal zu schätzen wissen. Das es richtig und wichtig ist sich an Gesetze zu halten usw. (war ja früher nicht unbedingt so).

    Alt68er predigen Moral und Werte! Wer hätte gedacht, dass wir diesen Tag erleben? Wenn die Alt68er anfangen den Rosenkranz zu beten, damit Guttenberg zurücktritt, dann wäre ich platt!!:-))

  • Ich kann in Ihren Ausführungen keine Logik erkennen. Es handelt sich nicht um eine journalistische Arbeit sondern um eine Dissertation. v.Guttenberg hat fremde geistige Arbeit für eine eigene Leistung ausgegeben. Sind Sie unfähig das zu erkennen und zu bewerten.
    Für Ihe Erkenntnisfähigkeit tatsächlich auweii.

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