Plagiatsvorwürfe
Uni prüft Chatzimarkakis' Doktorarbeit

Flucht nach vorne: FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis hat die Uni Bonn gebeten, seine Doktorarbeit zu überprüfen. Sie steht unter Plagiatsverdacht. Unterdessen erhält er Rückendeckung aus den eigenen Reihen.
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Berlin/Bonn/BrüsselDie Universität Bonn will die unter Plagiatsverdacht geratene Doktorarbeit des Europa-Abgeordneten Jorgo Chatzimarkakis prüfen. Sobald die erforderlichen Unterlagen aus dem Archiv beschafft seien, werde dazu eine Sitzung des Promotionsausschusses einberufen, sagte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Günther Schulz, am Montag in Bonn. Die Uni folge damit einer Bitte des FPD-Politikers.

Chatzimarkakis hatte sich am Wochenende an Schulz gewandt und gebeten, seine Doktorarbeit dahingehend zu überprüfen, „ob sie den Ansprüchen der Universität Bonn an gutes wissenschaftliches Arbeiten genügt“. Die jüngsten Debatten über Doktorarbeiten deutscher Politiker hätten ihn zu dem Schritt veranlasst, teilte er dem Dekan weiter mit.

Rückendeckung erhält der FDP-Politiker aus den eigenen Reihen. Sein Fraktionskollege im Europaparlament, Alexander Graf Lambsdorff, forderte „Schluss mit dem Pranger im Netz“.

Chatzimarkakis habe es als „kreativer Kopf und mutiger Querdenker“ mit Sicherheit „nicht nötig gehabt, Textstellen anderer Autoren zu übernehmen, um Ideen zu produzieren“, erklärte Lambsdorff.

Die Plagiatsfahnder von „VroniPlag“ wollen auf 21,58 Prozent der Seiten von Chatzimarkakis' Doktorarbeit Plagiate gefunden haben. Der Politiker erklärte daraufhin, in seiner Promotion habe er „nach aktueller Prüfung“ verschiedene Zitierweisen verwendet. Dies schaffe Raum für Spekulationen.

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war der Doktortitel vor zweieinhalb Monaten entzogen worden. Inzwischen ist auch die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), Veronica Saß, ihren Doktortitel los. Die ebenfalls unter Plagiatsverdacht stehende FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin legte alle Parteiämter nieder und trat als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments zurück.

Die Arbeit von Chatzimarkakis mit dem Titel „Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs“ wurde im Februar 2000 von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn anerkannt. Gutachter waren Professor Detlev Karten und Professor Uwe Holtz.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Plagiatsvorwürfe : Uni prüft Chatzimarkakis' Doktorarbeit"

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  • Ganz einfach: Es findet jetzt eine allg. Vorverurteilung statt, sobald auch nur jemand den Namen eines Politikers und das Wort "Plagiat" im selben Satz nennt. Implizit unterstellen Sie ja auch Herrn Lambsdorff, vielleicht unbeabsichtigt, dass er vielleicht selber betrogen hat oder irgendwo beigeholfen hat, nur weil er fordert "weg mit dem Pranger".

    In Deutschland haben wir den Rechtsgrundsatz "Unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist."

    Deshalb möchte ich allen raten: Warten Sie bitte erst die Prüfung der zuständigen Universitäten ab, bevor Sie jemanden Verurteilen.

  • Schluss mit dem Pranger im Netz

    Früher war der Ruf "Haltet den Dieb!". Nach Hr. Lambsdorff sollte der Ruf wohl lauten "Keine Diskriminierung für Diebe!". Für die FDP ist das vielleicht eine Wahlkampfparole. Ein Akademiker hat nicht besonders viel Sympathie für einen Schmallspur-Doktor, welcher nicht korrekt zitieren kann.
    Die Uni soll prüfen, vielleicht ist das Werk ja kein Plagiat. Aber warum hat dann der FDP Parteifreund so laut "weg mit dem Pranger" gerufen?

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