Porträt
Kristina Schröder, die Unbeliebte

Die jüngste Ministerin im Bundeskabinett hat es schwer: Egal ob Betreuungsgeld oder Frauenquote, Kristina Schröder erntet viel Spott und Kritik. Auch die Auftritte rund um ihr Buch machten sie nicht gerade beliebter.
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Düsseldorf/BerlinSie war eine überraschende Notlösung, die niemand auf dem Schirm hatte. Hätte ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen nicht das Arbeitsministerium übernehmen dürfen, hätte Kristina Schröder wohl trotz der Fürsprache von Ronald Pofalla noch viele Jahre auf eine auch nur annähernd so große Chance warten müssen. Aber: Von der Leyen wechselte das Ressort und Schröder bekam ihre Chance als Bundesministerin für Familien, Frauen Senioren und Jugend.

Allerdings wurde sie bisher nicht gerade mit Beifall überschüttet. Ihr Vorschlag zum Betreuungsgeld wurde von der Opposition als "Herdprämie" verspottet, ihr Vorstoß in Sachen Frauenquote zog ihr den Unmut der Wirtschaft zu. Dann muss sie sich noch mit dem Wettbewerbskampf, mit dem "Zickenkrieg" mit ihrer Amtsvorgängerin herumschlagen. Auch ihre Auftritte rund um ihr Buch: "Danke, emanzipiert sind wir selber" machten sie nur unbeliebter. Und die kritische Presse titelt zum Beispiel "Die Leere im Denken der Kristina Schröder" (Frankfurter Rundschau) oder "Nix ist öder als die Politik von Frau Schröder" (Bild).

Erfolgreich scheint sie gerade also nicht zu sein. Vielleicht auch deshalb, weil die Wiesbadenerin vor allem anfangs zu viel und es zu vielen recht machen wollte. Zugleich war sie nicht die prinzipientreue "moderne Konservative", sondern auch eine Taktiererin. So nahm sie an einer der ersten Sitzungen des konservativen Kreises um den hessischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Christean Wagner teil. Als sie merkte, dass diese Gruppe von Merkel kritisch beäugt und mithin nicht karrieretauglich war, zog sie sich wieder zurück. Auch im Umgang mit Mitarbeitern ist sie nicht die "nette Frau Schröder". Ihre erste Ministeriumssprecherin wurde ohne persönliches Gespräch abserviert - weil sich Frau Schröder im Duell mit Frau von der Leyen unterlegen fühlte.

Dabei formierte sich die politische Überzeugung der heute 35-jährigen Schröder schon vor mehr als 20 Jahren. Mit zwölf saß sie fasziniert vor dem Fernseher, als am 9. November 1989 die Mauer fiel. "Die anderen Mädchen schwärmten für Pferde, ich für Helmut Kohl", sagt Köhler. Es ging zwar nicht so weit, dass sie sich Poster des Kanzlers der Einheit übers Bett hängte, aber der hatte von da ab eine neue Anhängerin in Wiesbaden. Sie klebte sich "I like Birne"-Aufkleber auf die Schulmappe, mit denen sie am humanistischen Gymnasium aber höchstens linke Sozialkundelehrer provozieren konnte. Auch im bürgerlichen Elternhaus blieb ihr mit der Entscheidung für die Union eine Rebellion erspart.

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"Ein sehr bestimmtes Auftreten"

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  • Angeblich so "Blitzgescheite" scheitern oftmals im Leben.
    Außerdem, wer mit 12 für Helmut Kohl (köntne auch ein anderer sein) schwärmt, ist nun wirklich irgendwie ein wenig gaga
    Wenn ich das so lese, dann hat die nie eine richtige Jugend gehabt, wie andere mit 15, 16 oder 17.
    Bei Schröder ist es wohl, dass sie nie das wirkliche Leben kennen gelernt hat.
    Das hat sie aber mit vielen anderen gemeinsam
    Und wenn wir uns die mal ansehen, dann sind diese ebenfalls Nullnummern. Nahles, Mißfelder, Johannes Vogel usw. Die haben zwar alle eine große Klappe und eine irre Portion Aroganz, aber sonst auch nichts.
    Vielleicht fehlt Frau Schröder einfach mal ein bißchen Durchsetzungsvermögen.
    Aber woher soll sie es haben? Sie hat ja nie im Leben gearbeitet.
    Solche Fälle werden noch häufig kommen, denn der Bundestag wird ja immer mehr zum erweiterten Hörsaal

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