Praxisschließungen
Auch niedergelassene Ärzte wollen wochenlang streiken

Bei den Tarifverhandlungen zwischen Ärzten und Ländern ist keine Einigung nicht in Sicht. Die Mediziner an Universitätskliniken und Landeskrankenhäusern streiken weiter, für Patienten soll es eine Notversorgung geben. Auch die niedergelassenen Ärzte drohen nun mit flächendeckende Praxisschließungen.

HB BERLIN. Die Uniklinik-Ärzte hatten am Montag die größte Streikwelle seit Beginn ihres Ausstandes vor mehr als zwei Monaten anrollen lassen. Statt nur an einzelnen Tagen, wollen die Mediziner nun während der ganzen Woche in den Ausstand treten. Zur Demonstration in Münster werden der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe und der Chef des Marburger Bundes, Frank-Ulrich Montgomery, erwartet.

Am Montag legten nach Angaben des Marburger Bundes rund 12 300 Mediziner 39 Kliniken weitgehend lahm. In dem Tarifstreit ist noch kein Kompromiss in Sicht. Einen neuer Verhandlungstermin wurde seit dem Scheitern der Spitzengespräche am vergangenen Freitag bislang nicht vereinbart. Die Uniklinik-Ärzte fordern 30 Prozent mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

Nach den Klinik-Ärzten wollen nun auch die niedergelassenen Ärzte ihre Proteste gegen die ihrer Ansicht nach zu geringen Entlohnung ausweiten: „Wir lassen uns die Ignoranz der Politik nicht länger gefallen“, sagte der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Maximillian Zollner, der „Berliner Zeitung“. „Wir planen, Arztpraxen in den verschiedenen Regionen Deutschlands wochenweise komplett zu schließen“. Es werde dann nur noch eine Notfallversorgung geben. „Die Politik sollte sich nicht täuschen. Wir können mit diesen Aktionen schnell starten“, kündigte Zollner an. „Wir haben es satt, ein Drittel unserer Leistungen nicht bezahlt zu bekommen“.

Zollner rechnet mit deutlich höheren Krankenkassenbeiträgen: „An höheren Krankenkassenbeiträgen führt kein Weg vorbei. Anders lassen sich die Defizite kaum beseitigen“, sagte er. „Viele Krankenkassen werden nicht umhin kommen, ihre Sätze deutlich anzuheben.“ Das gesetzliche System brauche auf absehbare Zeit über 16 Milliarden Euro pro Jahr mehr. „Das entspricht rechnerisch Beitragserhöhungen von 1,6 Prozentpunkten“, sagte Zollner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%