Radioaktivität
Kriterien für Atomendlager gefunden

Nach schwierigen Verhandlungen stehen die Kriterien für ein Atomendlager nun endlich fest. Doch es ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Denn die Suche nach dem passenden Standort geht jetzt erst los.

BerlinNach langen und oft kontrovers geführten Verhandlungen hat sich die Endlagerkommission auf Empfehlungen für die Suche nach einem Standort zur Lagerung von hochradioaktivem Atommüll geeinigt.

Die von Bundestag und Bundesrat berufene 34-köpfige Gruppe von Politikern, Naturwissenschaftlern, Ingenieuren, Juristen und gesellschaftlichen Akteuren beendete ihre zweijährige Arbeit am frühen Dienstagmorgen „nach zähem Ringen um letzte strittige Punkte“, aber „mit großer Mehrheit“, wie Jörg Sommer, Kommissionsmitglied und Chef der Deutschen Umweltstiftung, sagte. Der 500 Seiten lange Abschlussbericht soll am kommenden Dienstag der Bundesregierung übergeben und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Danach geht die eigentliche Suche erst richtig los. Bundestag und Bundesrat müssen auf Grundlage der Empfehlungen das Anforderungsprofil eines künftigen Endlagers gesetzlich definieren. Die Standortauswahl erfolgt durch Eingrenzung von infrage kommenden Regionen oder Standorten bis hin zur Bestimmung des Standorts, der die bestmögliche Sicherheit für den Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet.
Bislang ist völlig unklar, welche Regionen infrage kommen könnten. Über den umkämpften Salzstock Gorleben wurde in der letzten Sitzung am Montag erneut heftig gestritten; Kommissionsmitglied Klaus Brunsmeier, Vertreter des Umweltverbandes BUND, wollte den Satz einfügen, dass Gorleben angesichts der Geschichte des Standorts politisch nicht durchsetzbar wäre. Das wurde jedoch abgelehnt.

Gorleben soll wie jedes andere Gebiet in Deutschland behandelt und bewertet werden. Die Präferenz für Salz als Endlager-Wirtsgestein wurde indes aufgehoben. „Die Suche beginnt neu, transparent und ergebnisoffen“, so Sommer.
Politischer Wille ist es, bis 2031 einen Standort gefunden zu haben. Dem würden sich eine etwa zehnjährige Genehmigungsphase und eine weitere zehnjährige Errichtungsphase anschließen. Das heißt, dass frühestens 2051 mit der Einlagerung begonnen werden kann. Einige Kommissionsmitglieder halten diesen Zeitplan für zu ambitioniert.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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