Rau nach Deutschland abgeflogen
Schily: Keine erhöhte Anschlagsgefahr

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sieht keinen Zusammenhang zwischen der Morddrohung gegen Bundespräsident Johannes Rau und einer möglichen Bedrohung Deutschlands durch den internationalen Terrorismus. „Aber wir müssen uns auch darauf einstellen, dass sich solche Anschlagsdrohungen auch auf Europa erstrecken. Das müssen wir ernst nehmen“, sagte Schily am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“.

HB BERLIN. Der entscheidende Hinweis auf die Planung eines Terroranschlags auf Bundespräsident Johannes Rau in Dschibuti kam vom Bundesnachrichtendienst (BND). Eine Sprecherin des für die Auslandsaufklärung zuständigen Dienstes sagte am Mittwoch, bereits vor der Reise des Bundespräsidenten habe sich „eine erhöhte, aber zu diesem Zeitpunkt nicht bedenkliche“ Gefährdungslage abgezeichnet. Rau hatte daraufhin seine Afrikareise abgebrochen.

Entsprechende Hinweise seien am Dienstag aber „sehr konkret“ geworden, sagte die Sprecherin. Der BND habe daraufhin das Bundeskanzleramt informiert. Innerhalb weniger Stunden sei dann die Entscheidung gefallen, den Besuch Raus in dem ostafrikanischen Staat Dschibuti abzusagen. Der BND machte keine Angaben zur Herkunft der Information oder zum möglichen Täterkreis.

„Ich bewerte diesen Hinweis (auf einen möglichen Anschlag auf Rau) eher regional. Das kann man, glaube ich, jetzt nicht übertragen auf andere Situationen“, sagte Schily am Mittwoch in der ARD auf eine entsprechende Frage.

Zum Abbruch der Reise von Rau sagte Schily, die Hinweise auf einen möglichen Anschlag seien so ernst gewesen, dass man sich zu diesem Schritt gezwungen sah. „Wir haben die Hinweise sehr genau geprüft und wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir dem Bundespräsidenten empfohlen haben, die Reise nach Dschibuti nicht anzutreten. Dies ist auch unsere Verantwortung, dass dem Bundespräsidenten kein Leid geschieht.“

Bundespräsident Johannes Rau hat mittlerweile seinen Afrikabesuch vorzeitig abgebrochen. Er flog von Daressalam in Tansania aus nach Deutschland zurück. Ursprünglich wollte Rau noch einen Zwischenstopp in Dschibuti einlegen.

Außenamt weist auf Gefahr von Terroranschlägen in Dschibuti hin

Nach der Morddrohung gegen Bundespräsident Johannes Rau hat das Auswärtige Amt erneut auf die Gefahr terroristischer Anschläge im ostafrikanischen Dschibuti hingewiesen. In dem am Dienstagabend aktualisierten Sicherheitshinweis empfiehlt das Außenamt „angesichts aktueller Hinweise“ auf die Gefahr von Terroranschlägen, auf nicht unbedingt erforderliche Reisen nach Dschibuti zu verzichten.

Rau brach am Mittwoch seinen Afrika-Besuch ab und flog von Tansania aus nach Deutschland zurück. Ursprünglich wollte Rau bei einem Zwischenstopp in Dschibuti die dort im Rahmen des weltweiten Anti-Terror-Kampfes stationierten deutschen Marinesoldaten besuchen. Im Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts für Dschibuti heißt es, dass besonders US-Einrichtungen im östlichen Afrika im Visier terroristischer Gruppen stünden. Aber auch westliche Einrichtungen könnten Anschlagziel werden. Auch im Sicherheitshinweis für Tansania von Anfang März wird von Hinweisen auf „mögliche Planungen von Attentaten“ berichtet.

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