Reaktion auf Wahlkampf-Äußerung
Ost-CDU frustriert über Stoiber

In den ostdeutschen Landesverbänden der CDU sind die Äußerungen von CSU-Chef Edmund Stoiber mit Unmut und Verärgerung aufgenommen worden. Parteienforscher bewerten die Aussagen des bayerischen Ministerpräsidenten unterschiedlich.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Der Sprecher der brandenburgischen CDU-Bundestagsabgeordneten, Michael Stübgen, wertete Stoibers Äußerung als Angriff auf Kanzlerkandidatin Angela Merkel: "Stoiber spricht von Frustrierten im Osten, aus ihm spricht aber vor allem die eigene Frustration."

Stübgen legte Stoiber nahe, sich zurückzuhalten. Nachdem er zu Gunsten von Merkel auf eine erneute Kanzlerkandidatur habe verzichten müssen, müsse der bayerische Ministerpräsident nun seine Trauerarbeit "im stillen Kämmerlein und nicht in bayerischen Bierzelten" machen. "Auch Stoiber muss akzeptieren, dass eine bayerische Wählerstimme nicht mehr Wert ist als eine ostdeutsche", kritisierte Stübgen. "Er sollte aufhören, sich als Wahlkampfhelfer der Linkspartei-Spitzenkandidaten Gregor Gysi und Oskar Lafontaine zu betätigen."

Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, nannte Stoibers Aussage "völlig verfehlt". Michael Kretschmer, Generalsekretär der Sachsen-Union, meinte: ""Wir sehen mit einiger Verwunderung, was da aus dem Bayerischen Wald an Tönen zu uns herübergeschwappt ist."

Der CDU-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt, Christoph Bergner, nannte Stoibers Äußerungen wenig staatsmännisch. "Ich wünsche mir, dass unsere bayerische Schwesterpartei alles daran setzt, Vertrauen für die Union in Ostdeutschland zu gewinnen", sagte er. Der (Ost)-Berliner Bundestagsabgeordnete Günter Nooke kritisierte: "Ich teile (Stoibers) Auffassung da nicht, die ganzen Vereinfachungen helfen im Wahlkampf überhaupt nicht". Allerdings: "Das war ja Edmund Stoiber im Bierzelt in Bayern."

Politologe Lösche: "Eigentor im Westen wie im Osten

Renommierte Politikwissenschaftler bewerterten Stoibers Äußerungen unterschiedlich. Der Wahl- und Parteienforscher Eckhard Jesse von der Universität Chemnitz hält die Aussagen für reine Wahlstrategie. Ziel sei, im Westen und vor allem im Süden besser abzuschneiden. "Im Osten zwei bis drei Prozentpunkte zu verlieren, wird dabei billigend in Kauf genommen", sagte der Forscher.

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