Reaktionen auf Rekordstreik
„GDL schadet dem Ansehen der Bundesrepublik“

Angesichts des Lokführerstreiks am 25. Jahrestag des Mauerfalls übt die Berliner CDU deutliche Kritik an der Gewerkschaft GDL. Gerade der Zeitpunkt des Streiks schade dabei dem Ansehen ganz Deutschlands.
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BerlinDer geplante viertägige Streik der Lokführergewerkschaft GDL sorgt auch in der Berliner Landespolitik für große Empörung. „Die GDL schadet mit ihrem viertägigen Streik nicht nur der Deutschen Bahn und ihrem eigenen Anliegen, sondern dem Ansehen der gesamten Bundesrepublik", sagte Kai Wegner, Generalsekretär der Berliner CDU, dem Handelsblatt. „Gerade Berlin erwartet am Wochenende anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls zahlreiche nationale und internationale Gäste, die mit der Bahn anreisen möchten - ganz zu schweigen von den Berlinerinnen und Berlinern, die aufgrund der Feierlichkeiten in der Stadt unterwegs sind.“

Es sei „ein Unding, dass die GDL ausgerechnet zum Mauerfall-Jubiläum mit einem viertägigen Streik die Grenzen der verkehrlichen Belastbarkeit derart ausreizt“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete weiter. „Mir fehlt dafür jedes Verständnis. Auf Solidarität wird die GDL wohl verzichten müssen“, so Wegner.

Der Rekordstreik sorgt auch in anderen Teilen der Union sowie der SPD für Unmut. „Claus Weselsky verliert gerade jedes Maß“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi gegenüber „Spiegel Online“. Die SPD-Politikerin forderte Weselsky auf, seine Streikpläne zurückzuziehen. „Mit diesem abermaligen Ausstand schadet die GDL allen Gewerkschaften, sie beschädigt die Solidarität innerhalb der Bahn-Belegschaft, und sie verärgert Hunderttausende von Bahnkunden, denen jetzt Chaostage bevorstehen.“

Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber kritisierte die Lokführergewerkschaft gegenüber „Spiegel Online“ scharf. „Die Dauer des Streiks allein lässt jedes Maß vermissen“, sagte Tauber. „Ich verstehe den Ärger vieler Menschen, die täglich auf die Bahn angewiesen sind.“

Auch der Bundesverband für Groß-, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) hat den Streik als vollkommen unverhältnismäßig kritisiert. „Auf dem Rücken unbeteiligter Kunden und Unternehmen einen gewerkschaftlichen Konkurrenzkampf auszutragen, wird sich als Bumerang erweisen“, erklärte BGA-Präsident Anton Börner am Dienstag. Wegen des Streiks drohten Produktionsausfälle und damit erhebliche Einbußen. Die gesamte Logistikkette könne ins Stocken geraten.

Die Deutsche Bahn hält den angekündigten erneuten Lokführerstreik für „reine Schikane“. „Dieser Streikaufruf macht nur noch sprachlos“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Dienstag über den mehr als viertägigen Ausstand, zu dem die Gewerkschaft GDL aufgerufen hat. Das Unternehmen plant wie bei den vorherigen Streiks einen Ersatzfahrplan. So soll etwa ein Drittel des sonst üblichen Zugverkehrs angeboten werden können.

Weber zeigte sich empört über die Arbeitsniederlegung: „Während sich die Menschen in Deutschland darauf freuen, am 9. November den 25. Jahrestag des Mauerfalls zu feiern, will die GDL mit dem längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn das öffentliche Leben in unserem Land lahmlegen.“ Der Manager rief die Gewerkschaft auf, ihren Streikaufruf sofort zurückzunehmen „und sich umgehend mit uns an den Verhandlungstisch zu setzen“.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • was glauben Sie wohl warum die Arbeitnehmer in der GDL sind und nicht in Ihrer EVG?

    Kann es sein, dass die EVG mehr im Sinne des Arbeitgebers denn ihrer Arbeitnehmer gehandelt hat?

    Davon ab, wenn ein Streik bei der Bahn dem ganzen Land schadet, dann muss die Bahn staatlich sein und die Beschäftigten Beamte. Man wollte unbedingt einen Privat-Konzern draus machen, nun muss man die Folgen ertragen.
    Alles hat zwei Seiten, leiden möchten die modernen "Manager" immer nur eine Seite und klagen wie die Irren wenn die andere Seite zum Tragen kommt. Sind die alle so naiv???

  • "Dabei sind mehrere Gewerkschaften beispielsweise in Frankreich durchaus üblich. Im Ergebnis dessen, ist der Sozialabbau dort auch nicht so weit fortgeschritten ´, wie bei uns."
    Ist das so? Dafür geht Frankreich steil in den Ruin und die Arbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie bei uns.
    Merke: auch in Frankreich muss erst verdient werden, was verteilt werden soll.

  • Wenn ich so einige Kommentare lese, habe ich das Gefühl, dass bezahlte Gewerkschaftsfunktionäre ihren Herrn Weselsky retten müssen. Fakt ist: Claus Weselsky zettelt einen gewerkschaftlichen Angriffskrieg an, der auf dem Rücken von Millionen unbeteiligter Bahnfahrer und Hunderter Unternehmen ausgetragen wird und legt dabei das halbe Land lahm. Also schadet er diesem Land. Nachdem Weselsky die beiden Vize-Chefs Sven Grünwoldt und Thorsten Weske 2013 aus dem Vorstand der GDL gedrängt hatte, ist er nun mit einem „Ja-Sager-Komitee“ umgeben, aus dem es niemand mehr wagt ihn zu kritisieren. Dieser Fakt erlaubt Weselsky in dieser Tarifrunde, den großen Angriff auf die Gewerkschaftssolidariät.
    Bisher bestand Übereinkunft, ein „Burgfriede“, zwischen den Gewerkschaften, dass die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) mit der Bahn die Tarifverhandlungen für alle Lokführer führt, auch für die in der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Im Gegenzug führte die EVG die Verhandlungen für alle anderen Bediensteten, also auch für Zugbegleiter, die bei der GDL sind.
    Diese Vereinbarung kündigt Weselsky nun auf - er will jetzt selber auch für die Zugbegleiter verhandeln. Das hat weitreichende Folgen. Wenn die GDL auch für die Zugbegleiter verbindlich abschließt, weshalb sollten die dann in der EVG bleiben? Eine Abwanderung in die GDL wäre die Folge. Und genau das ist das Ziel von Weselsky, er will die GDL auf Kosten der EVG vergrößern, koste es was es wolle. Von Claus Weselsky daher zu hören, die GDL verhandele verantwortungsbewusst, ist reine Realsatire. Dieser Analphabet in Sozialkompetenz handelt egoistisch, eigensinnig und absolut verantwortungslos zuur Durchsetzung persönlicher Ziele.
    Um Angriffskriege von kleinen auf große Gewerkschaften zu ermöglichen, dafür ist der Streik jedoch nicht gedacht. Daher ist das Gesetz zur Tarifeinheit dringend notwendig, um aggressive Angriffe kleiner Gewerkschaftsführer auf andere Gewerkschaften zu unterbinden.

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